Info-Brief 21-2016

für die 35.-36. KW
26. Aug. 2016

Was zu tun ist:

  • Jungvölker kontinuierlich füttern und bedarfsgerecht erweitern
  • Pollenversorgung sichern
  • Varroa-Befall kontrollieren und behandeln

Am Bienenstand
Hohenheim (ev) Nachdem Anfang August der von uns empfohlene Stichtag für die erste Ameisensäurebehandlung war und die Bienenvölker im Anschluss daran ihre erste Futterration bekommen haben, steht jetzt für viele Imker bereits die zweite Behandlung an. Die aktuell stabile Wetterlage schafft bundesweit gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Anwendung: warme Temperaturen und geringe Luftfeuchtigkeit begünstigen die Verdunstung der erforderlichen Säuremenge. Um eine gute Wirkung auf Bienen- und Brutmilben zu erreichen, wird je nach Anzahl der Zargen pro Volk eine tägliche Verdunstungsmenge von 20-25 ml bzw. 30-40 ml 60 %ige Ameisensäure über mehrere Tage empfohlen. Es kann sinnvoll sein, ungünstige Standorte mit kaltem Kleinklima aufzugeben und zumindest für die Spätsommerpflege und Über-winterung Standorte mit warmem, für die Behandlung günstigem Kleinklima auszuwählen.

Liebig Dispenser oder Nassenheider professional: Welcher Dispensertyp für die Langzeitbehandlung?
Langzeitbehandlungen haben grundsätzlich den Vorteil, dass die Behandlungssicherheit höher ist, kurze Schlechtwetterperioden „ausgeglichen“ werden und die Behandlung für die Bienen schonender ist als sogenannte „Schockbehandlungen“ (z.B. Schwammtuch). Eine zweimalige Behandlung mit den Verdunstervarianten Liebigdispenser und Nassenheider prof. erzielte in den Praxistests an über 200 Bienenvölkern in Hohenheim in den Jahren 2014 und 2015 jeweils einen Wirkungsgrad von durchschnittlich über 90 %. Aufgrund unserer Erfahrungen empfehlen wir die Anwendung im Nassenheider prof., da dieser Verdunster die Säure konstant und weitgehend temperaturunabhängig abgibt. Dadurch kann es allerdings bei sehr niedrigen Temperaturen (nachts) vorkommen, dass sich in der Schale ein „Säuresee“ bildet. Wird es am darauffolgenden Tag sehr warm, kann es durch die schlagartige Verdunstung der angesammelten Säuremenge zu einer Überdosierung und möglichen Nebenwirkungen kommen. Auf der zweiten Seite der Tabelle sind die Vor-und Nachteile der zwei empfohlenen Langzeitverdunstersysteme nachzulesen.
In Hohenheim wird aktuell an der Anwendungsoptimierung von Ameisensäure geforscht. Es wurde bereits eine Sensormesstechnik etabliert, durch die eine Bestimmung der Ameisensäurekonzentration in der Stockluft möglich ist. Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass für eine gute Wirksamkeit vermutlich deutlich höhere Konzentrationen in den Wabengassen notwendig sind als bisher angenommen. Eine solche Messtechnik ist die Voraussetzung für eine Optimierung bestehender Verdunstungssysteme bzw. für die Entwicklung von sensorgesteuerten Verdunstungssystemen.

Kontrolle Varroabefall
Leider gibt es bisher keine Methode, den Varroabefall eines Volkes unter Praxisbedingungen exakt zu bestimmen. Die Gemülldiagnose gibt uns aber die Möglichkeit, für die verschiedenen kritischen Zeitpunkte im Bienenjahr unterschiedliche Grenzwerte zu definieren. Ist die zweite Ameisensäurebehandlung abgeschlossen, stellt sich nach 12 Tagen (= Dauer der verdeckelten Brutphase) wieder der natürliche Milbenfall ein. Werden dann noch mehr als 2-3 Milben pro Tag auf dem Bodenschieber gezählt, ist eine weitere Behandlung notwendig! Denn: Bei jeder Behandlung kommt es nicht nur auf einen guten Wirkungsgrad an, sondern vor allem auf die im Volk verbleibenden, nicht abgetöteten Milben! Verbleiben zu viele Varroamilben im Volk, kann die Population bis zur Winterbehandlung so stark ansteigen, dass die Überwinterung des Volkes gefährdet ist.
Kontakt zur Autorin: eva.frey@uni-hohenheim.de

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