~Info.Brief 28-2017

für die 51. und 52 KW
21. Dez. 2017

Was zu tun ist:

Zum Jahresende

Mayen – (co) Wenige Tage vor Weihnachten ist auch für die Redaktion des Infobriefs die Zeit gekommen das nun zu Ende gehende Jahr zu resümieren. Ein Jahresrückblick ist aber wie immer schwierig, da die Bedingungen für Bienen und Imker von Region zu Region wieder sehr unterschiedlich waren und sind.

Ganzjährige vergleichende Trachtbeobachtungen helfen, ein Jahr zu beschreiben. Wann war Trachtbeginn? Gab es Trachtlücken? Wann war Trachtende? Gab es dabei Unterschiede in Deutschland?

Seit kurzem besteht die Möglichkeit den Trachtverlauf -täglich aktuell fortgeschrieben- jeweils ab Jahresbeginn im Internet zu verfolgen (>>>).

Hier kann man mittlerweile mehr als 200 elektronische Waagen des TrachtNets für Deutschland zusammenfassen oder aber nach Bundesländern, Regierungsbezirken oder Landkreisen getrennt betrachten. Voraussetzung ist natürlich, dass Waagen in den ausgewählten Regionen auch zur Verfügung stehen. Die Waagen liefern kontinuierlich Daten zum Futterverbrauch und Nektar- und Polleneintrag. Werden die täglichen Differenzen aufsummiert ergeben sich Jahr für Jahr anschauliche Verlaufskurven.

In den ersten Wochen des Jahres fressen die Bienen zunächst mehr als sie sammeln und die Bienenvölker werden leichter. Können Sie aber mehr sammeln als sie verbrauchen und Vorräte anlegen, kehrt sich die Trachtkurve um und beginnt zu steigen. Der tiefste Punkt dieser Kurve kann als Trachtbeginn definiert werden, wissend, dass die Bienen auch schon früher sammeln, aber halt weniger als sie verbrauchen. Der tiefste Punkt, also Trachtbeginn nach dieser Definition, war der 25. März für die deutschlandweit zusammengefassten Waagen. Regionale Zusammenfassungen ergeben leicht abweichende Werte. Gut erkennbar werden auch Trachtlücken. Mitte April kam es zu einem Kälteeinbruch. Dieser hielt bis etwa 28. April an. In dieser Zeit verloren die Völker im Schnitt wieder zwei Kilogramm an Gewicht, während der Frost vielerorts das Blütenmeer der Obstbäume zerstörte. Die Ernteausfälle der Obstbauern werden für Deutschland auf etwa 70% geschätzt.

Die Trachtverlaufskurven zeigen auch sehr gut das Trachtende, wenn die Gewichte wieder kontinuierlich bis zum Jahresende abnehmen. Aufgrund regnerischen Wetters endete die Tracht im Bundesschnitt bereits sehr früh am 25. Juni mit dem höchsten Punkt der Trachtverlaufskurve (>>>), auch hier wissend, dass danach noch in einigen Regionen die Bienen fleißig weiter sammeln konnten. So fanden die Bienen zum Beispiel in Teilen Bayerns gute Waldtrachtbedingungen vor.

Die Frühtrachternte der Imker in Deutschland lag entsprechend unserer Umfrage bei 16,4 kg/Volk, mit überdurchschnittlichen, von Raps geprägten Ergebnissen im Osten und teilweise enttäuschenden Werten in den Stadtstaaten und anderen Großstädten. Wir berichteten im Infobrief 19/17.

Die Ernteerträge der Sommer- und Spättrachten unterlagen insgesamt einem deutlichen Süd-Nordgefälle und lagen im Mittel bei 15,5 kg/ Volk (Infobrief 27/17). Beide Ernten zusammen erbrachten deutschlandweit 31,9 kg/Volk und lagen damit im mittleren Bereich der letzten Jahre.

Das Imkerjahr 2017 begann aber auch mit einer überdurchschnittlichen Winterverlustquote von etwa 20 %, wobei die Werte zwischen weniger als 15 % (z.B. in Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen) und mehr als 25 % (u.a. Saarland, Sachsen, Berlin) schwankten (IB 8/2017).

Das nach wie vor größte Problem der Imkerei in Deutschland ist immer noch die Varroamilbe. Hier gibt es zwar keine allgemeingültigen Erhebungswerte wie beim Trachtverlauf, den Honigernten und Verlustermittlungen, aber indirekt spiegeln die Beratungsanfragen und Probeneinsendungen an den Bieneninstituten und Beratungsstellen die Situation wieder. Auch die Zugriffsraten auf das Internetportal „Varroawetter“ liefern Orientierungspunkte. Im Gegensatz zu früheren Jahren wurden im Oktober sehr viele Abfragen an das „Varroawetter“ gestellt. Die Frage, ob dies eine erhöhte Behandlungsnotwendigkeit wiederspiegelt, muss zunächst unbeantwortet bleiben. Parallel dazu gab es aber vermehrte Beratungsanfragen und Einsendungen toter Bienen. Fast alle Proben wiesen hohe Milbenzahlen auf.

Die jetzt vorliegende Auswertung unserer Erhebung zu den Spätsommer- und Herbstverlustraten zeigt fast gleiche Werte wie unsere Erhebung ein Jahr zuvor. Beide Male lag die Quote bei 3,9%, wenn man die eingewinterten Völker und die verlorenen Völker je Region aufsummiert und in Beziehung setzt. Und da die Erfahrung zeigt, dass man von den Herbstverlusten auf die Winterverluste hochrechnen kann wird auch im jetzt begonnenen Winter voraussichtlich wieder etwa jedes fünfte Bienenvolk eingehen, im Norden Deutschlands etwas weniger, im Süden mehr – so zumindest eine vorläufige Prognose auf der Basis der bisher vorliegenden Daten, Erfahrungen und Beobachtungen.

Kontakt zum Autor: Christoph.Otten@dlr.rlp.de

 

Zum Schluss

12 Autoren aus 6 Bieneninstituten haben in den 28 Ausgaben des diesjährigen Infobriefs versucht, ihr Fachwissen an die Imkerpraxis weiterzugeben. Wir hoffen, dass der ein oder andere Tipp für Sie hilfreich war.

Mit dem ersten Infobrief zu Jahresbeginn haben wir 24.057 Abonnenten erreicht. Mit der vorliegenden letzten Ausgabe des Jahres sind es mittlerweile 27.010 Leser, eine Zunahme von fast 3.000 neuen Abonnenten.

Die vielfältigen Informationen flossen aber nicht nur von uns zu Ihnen, sondern mehr als 40.000 Rückmeldungen kamen von Ihnen im Rahmen unserer Umfragen zu uns zurück. Diese Datenfülle ermöglichte es erst die vielfältigen Analysen und Aussagen zur Situation der Bienen und Imkerei in Deutschland und den angrenzenden Regionen zu erarbeiten. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle nochmals recht herzlich bedanken. Wir wünschen Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches neues Jahr in Gesundheit und Zufriedenheit.

Die Redaktion

Interessante und hilfreiche Links
Varroawetter
 Varroabehandlung im Winter
 Amerikanische Faulbrut (Ausbrüche und Sperrgebiete)

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Quelle: http://bienenkunde.rlp.de/I