~Info-Brief 26-2017

für die 41. KW
13. Okt. 2017

Was zu tun ist:

  • Futterkontrolle
  • Varroakontrolle
  • Vorbereitung der Winterbehandlung
  • Schutz vor Schädlingen

Am Bienenstand

Letzte Arbeiten -Kontrolle der Futterversorgung

Deggendorf (eh) In der Regel sind ab Mitte Oktober die Futtertröge oder Futtereimer bereits entfernt, die Völker sind ausreichend mit Futter versorgt. Nachfütterungen mit Flüssigfutter sollten nur noch ausnahmsweise – dann direkt am Bienensitz – erfolgen. Besser ist es bei Bedarf überschüssige Futterwaben von gut versorgten Völkern in das eine oder andere bedürftige Volk einzuhängen. Bei frühem Blühbeginn und entsprechend guter Witterung können im Herbst an manchen Standorten mit Zwischenfrüchten wie Phacelia und Senf oder nach einer ergiebigen Tracht z.B. aus dem „indischen“ Springkraut oder aus einer Räuberei die Waben so voll getragen worden sein, dass die Bienen in der Wintertraube auf vollen Futterflächen sitzen müssten.

Im Fall von zu viel Futter in allen Waben entfernen wir am Rand volle Futterwaben (überwintern diese kühl und trocken), rücken den Wabenblock in der Mitte auseinander und hängen je nach Volkstärke wenigstens 2 Leerwaben (ehemalige Brutwaben) in der Mitte ein. Wenn dies früh genug noch in einer warmen Wetterphase gemacht wird, können normale Bienenvölker auch noch im Oktober durch Umtragen von Vorräten aus den vollen Waben das Winterfutter ausreichend und gleichmäßig auf alle inneren Waben verteilen und so für genügend leere Zellen im Wintersitz sorgen.

 

Umweiseln von Völkern

Wirtschaftsvölker mit älteren Königinnen oder unbefriedigende Völker kann man nach der Einfütterung, im September und Oktober noch ohne Probleme umweiseln. Voraussetzung ist natürlich, dass man noch zusätzliche Königinnen am Stand hat.

Ein Beispiel für eine einfache Methode zur späten Umweiselung:

Bis zum Herbst werden die letzten begatteten Königinnen in einigen wenigen Mehrwabenkästchen belassen. An einem warmen Herbst-tag entfernt man die alte Königin aus dem Wirtschaftsvolk, wartet noch etwa 2 Stunden die Weiselunruhe des Volkes ab, setzt dann das unten geöffnete Begattungskästchen mit samt der gezeichneten neuen Königin auf das geöffnete Spundloch (Futterloch im Deckel) oder auf ein etwa faustgroßes Loch in der Folie und gibt eine Leerzarge mit Deckel darüber. Bei warmer Witterung vollzieht sich die Vereinigung in der Regel innerhalb kurzer Zeit ohne Probleme.

Ein kalter Wintersitz ist besser als ein feuchter Sitz der Winterbienen. Früher empfahl man ein offenes Abzug-Loch im Beutendeckel, über das die Feuchtigkeit aus der Beute mit der Zugluft entweichen kann. Heute können wir die Bodeneinlage / Windel aus dem Gitterboden dauerhaft ziehen und so für eine trocken-kalte Überwinterung sorgen, die feuchte Luft kann gut raus, die Gefahr der Schimmelbildung an den Rand-Waben wird deutlich reduziert. Mit diesem „Kaltsetzen der Völker“ – spätestens dann wenn die ersten Nacht-fröste auftreten – können wir auch versuchen die Völker vom weiteren Brüten abzuhalten.

 

Varroa-Befall kontrollieren und Winterbehandlung vorbereiten

Die Überprüfung des natürlichen Abfalls der Varroamilben mit dem Gitterboden ist auch im Oktober einfach durch Ziehen der eingelegten Bodeneinlage (frühestens 12 Tage nach der letzten AS-Behandlung) durchführbar. Bei einem natürlichen Milbenabfall von mehr als 0,5 Milben pro Tag ist in jedem Fall eine Winterbehandlung (im brutfreien Zustand) durchzuführen. Imker, die im Winter bereits bei der Überprüfung auf Brutfreiheit bzw. zur Winterbehandlung eine Sprühbehandlung mit Milchsäure 15% ad.us.vet einsetzen wollen, sollten im Oktober bei der letzten kurzen Kontrolle der Völker aus jeder Zarge jeweils eine Randwabe entnehmen und alle Waben auf der Auflageschiene bewegen, so dass die Verkittung gelockert ist. Die so entstandene leere Wabengasse erleichtert dann später bei der Sprüh-Behandlung das Verschieben und das schonende Ziehen der Waben aus der Wintertraube ganz entscheidend. Damit auch eine Träufelbehandlung im Winter gut funktioniert, sollten im Oktober noch vorhandene Wachsbrücken zwischen den Waben entfernt werden.

 

Schutz vor Mäusen

Die Zuwanderung von Mäusen an die Wohnbereiche in Dörfern und Städten hat bereits im September wieder begonnen. Für Spitzmäuse und Feldmäuse sind Bienenstände am Waldrand oder in der Flur ein sehr attraktiver Überwinterungsplatz. Feld-und Hausmäuse nutzen jede Gelegenheit und können ein Nest in einem unbenutzten Wabenbezirk bauen und dann das Volk in der Wintertraube erheblich stören! Unruhe, vermehrte Futteraufnahme und Ruhr im betroffenen Bienenvolk und eine massive Verschmutzung von Beute und Waben können die Folge sein. Dort wo sie vorkommen besuchen die deutlich kleineren Spitzmäuse Bienenvölker sehr gerne, um sich mit Bienen vom Rand der Wintertraube eine nachhaltige gute Nahrung zu beschaffen. Durch rechtzeitiges Anbringen von Fluglochkeilen mit 6mm Höhe der Öffnung oder durch Anbringen eines punktgeschweißten Drahtgitters (6mm Maschenweite) vor das Flugloch können diese ungebetenen Gäste in der kalten Jahreszeit problemlos ausgesperrt werden.

 

Weitere Vorsorgemaßnahmen

Zum Schutz vor Meisen und Spechten kann vor die Flugfront ein grobmaschiges Kunststoff-Netz gespannt werden; mitunter werden dazu auch Gepäck-Netze für die Ladungssicherung bei PKW-Anhängern verwendet.

Gegen Schäden durch Waschbären, die in der Nähe zu Bienenständen in den vergangenen Jahren häufiger vorkommen, hilft ein sehr gut abgedichtetes / vollständig geschlossenes Bienenhaus oder eine gute Versicherung. Mitunter hilft auch nur ein Wechsel des Standortes. Am Bienenstand sollten im Wind klappernde Teile sowie schlagende Äste entfernt werden damit während der Winterruhe keine anhaltenden Erschütterungen bei Bienenvölkern verursacht werden können. Bei vielen Imkern sind die Bienenvölker in diesem Jahr in einem guten bis sehr guten Zustand. Der Winter kann kommen und die Vorbereitungen für die Honigvermarktung bis Weihnachten haben begonnen. Die Preise für Honig sind weiterhin gut und stabil. Die Teilnahme an einem der noch in verschiedenen Regionen angebotenen Honigkurse und Wachskurse wird im Hinblick auf die Erzeugung bester Produkt-Qualitäten generell und speziell auch für die Herstellung von qualitativ hochwertigen Bienenwachskerzen sehr empfohlen.

Kontakt zum Autor: Erhard Härtl
Fachberater für Bienenzucht in Niederbayern
Fachzentrum Bienen an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mit Dienstsitz am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Deggendorf
Tel.: 0991 208-159

Quelle: http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2017_26.pdf