~ Info-Brief 26-2016

für die 47. bis 50. KW
18. Nov. 2016

Am Bienenstand

Winterbehandlung
Hohenheim (PR). Als Abschluss des „kalendarischen Bienenjahres“ steht im November/ Dezember als Abschluss des Varroabekämpfungskonzeptes noch die Behandlung mit Oxalsäure an. Diese ist aus zwei Gründen unverzichtbar:

  1. Es ist die effektivste Möglichkeit, den Varroa-Ausgangsbefall vor der nächsten Bienensaison effektiv zu reduzieren. Wir wissen, dass sich die Varroapopulation von Februar bis August um den Faktor 50 vermehren kann! Wenn wir bei der Oxalsäurebehandlung 50 Milben abtöten, hätten daraus im nächsten Jahr über 3.000 Milben wer-den können.
  2. Es ist zudem eine hervorragende Möglichkeit, das eigene Bekämpfungskonzept zu überprüfen. Wenn noch mehrere hundert Milben bei der Oxalsäurebehandlung herunterfallen, war die Sommerbehandlung – meist mit Ameisensäure – nicht ausreichend wirksam. Völker mit hohem Milbenabfall sollten markiert werden und während der Saison „besondere Aufmerksamkeit“ bekommen. Wenn z.B. mehr als 500 Milben fallen, ist davon auszugehen dass noch eine Restmilbenpopulation von ca. 50 Milben im Volk verbleibt. Bei solchen Völkern sollte besonders intensiv die Drohnenbrut ausgeschnitten werden und frühzeitig mit der Varroadiagnose begonnen werden.

Für eine gute Wirksamkeit der Winterbehandlung gibt es zwei Voraussetzungen: Die Völker sollten brutfrei sein und möglichst eng in der Wintertraube sitzen. Nur dann wird die aufgeträufelte Oxalsäure optimal verteilt und erreicht einen Wirkungsgrad von ca. 95%. Aufgrund der häufigeren milden Winter wird es vor allem in den wärmeren Weinbauregionen zunehmend schwerer, solche brutfreien Phasen vorherzusagen. Ein extremes Bei-spiel war das letzte Winterhalbjahr, in dem bei uns in Hohenheim etliche Völker erst bei einer Kälteperiode im März(!) das erste Mal brutfrei waren. Zudem haben Stichproben gezeigt, dass selbst nach längerem Frost das ein oder andere Volk am Stand noch Restbrut hatte. Teilweise wird empfohlen, diese Brutflächen vor der Behandlung aufzureißen oder zu entnehmen. Dies wird verständlicherweise nur sehr ungern (und von sehr wenigen Imkern) durchgeführt und wir empfehlen es aus Praktikabilitätsgründen bisher auch nicht. Auch wenn die Restbrut die Wirksamkeit der Winterbehandlung etwas reduziert, sollte sie auf jeden Fall durchgeführt werden. Für dieses Jahr dürfte die Kälteperiode der letzten Tage eine gute Möglichkeit sein, in den nächsten 2 Wochen die Behandlung durchzuführen.

Noch drei Hinweise: (1) Bei leichtem Frost (möglichst früh morgens) zu behandeln ist einfacher und effektiver als bei höheren Temperaturen, da die Völker dann enger und ruhiger sitzen. (2) Gehen Sie vor allem bei zweizargigen Völkern zu zweit zur Behandlung. Dann kann eine(r) die zweite Zarge kippen und der/die andere träufelt. Dann erspart man sich das mühselige Umsetzen der schweren Futterzarge (und knüpft Kontakte zu Imkerkollegen). (3) denken Sie daran, dass der Milbenfall nach einer Oxalsäurebehandlung bis zu 3 Wochen anhalten kann, also nicht zu früh die „endgültige“ Milbenzahl festlegen.

Hinsichtlich der Flexibilität der Winterbehandlung wird es im nächsten Jahr erfreuliche Fortschritte geben. Zwei Präparate auf Oxalsäurebasis stehen kurz vor der Zulassung. Für diese wird es wohl keine Wartezeit geben, so dass sie zum einen auch nach dem Jahreswechsel angewendet werden dürfen und evtl. auch eine mehrmalige Behandlung in Betracht kommt. Leider reicht es nicht mehr für diese Bekämpfungsperiode. Wir werden natürlich an dieser Stelle rechtzeitig darüber berichten.

Abschließend noch ein Wort zum aktuellen Skandal um verfälschte „Wachs“-Mittelwände. Das Problem, dass bei einzelnen Händelern immer mal wieder mit Paraffin verfälschte oder mit Rückständen kontaminierte Mittelwände auftauchen, ist seit langem bekannt. Der globalisierte Wachsmarkt und die fehlenden gesetzlichen Normen für den Begriff „reines Bienenwachs“ machen eine rasche Lösung eher unwahrscheinlich. Es gibt derzeit weltweit einfach zu wenig Bienenwachs für die steigende Anzahl an Bienenvölkern! Es können und sollen an dieser Stelle nicht die Details dieser Problematik diskutiert werden. Aber es gibt eine ganz einfache Lösung für unsere Imker: Etablieren Sie einen eigenen Wachskreislauf! Kleine Dampfwachsschmelzer kann man entweder preiswert kaufen oder noch günstiger selber bauen (mehrere Anleitungen sind im Internet zu finden, z.B. von Dr. Neumann, Aulendorf). Das Wachs kann man dann beim Händler seines Vertrauens umarbeiten lassen, z. B. Imkertechnik Wagner in Mudau  (aktueller Umarbeitungs-Preis: 2,38 €/kg inkusive Versandkosten). Und wenn Sie als „Kleinimker“ die Mindestmengen Wachs nicht zusammen bekommen, schließen Sie sich mit KollegInnen zusammen, dann wird’s (a) billiger und macht (b) mehr Spaß.
Kontakt zum Autor: peter.rosenkranz@uni-hohenheim.de

Umfrage Spätsommer- und Herbstverluste
Wir werden diese Umfrage zu Wochenbeginn Schließen. Die Verluste liegen nach ersten Zwischenergebnissen höher als im letzten Jahr und sind in Deutsch-land regional sehr unterschiedlich. Falls Sie noch nicht geantwortet haben können Sie dies hier noch gerne tun

Anfragen gezielt stellen.
Mayen – (co) Wir bitten Anfragen zu aktuellen Beiträgen immer ausschließlich direkt an die jeweiligen Autoren zu stellen. Allgemeine Anfragen immer nur an das für Ihren Bienenstand zuständige Bieneninstitut. Geben Sie dabei auch immer Ihre vollständige Anschrift und Telefon-nummer mit an. Telefonische Rückfragen ermöglichen gezieltere Antworten und bessere Beratungen.

Wundermittel Varroabekämpfung.
Vorsicht: immer wieder erreichen uns aus der imkerlichen Praxis Anfragen zu beworbenen, neuen, scheinbar hoch effizienten, Bienen schonenden und rückstandsfreien Varroabekämpfungsmethoden.

Nicht jede beworbene Methode wurde während ihrer Entwicklung wissenschaftlich begleitet. Grundsätzlich muss für die Praxiseignung immer zunächst geklärt werden wie effizient sich die Anwendung darstellt, wie bienenverträglich sie ist und ob sie von Anwendern mit unterschiedlichen Betriebsweisen an unterschiedlichen Standorten gleich umgesetzt werden kann oder Einschränkungen vorliegen. Dabei ist es auf keinen Fall ausschlaggebend wie viele Milben abgetötet werden (“ … es waren aber viele Milben auf der Bodeneinlage …“), sondern in erster Linie gilt wie viele Milben eine Anwendung überleben und das Bienenvolk weiter schädigen und sich weiter vermehren. Nur mit gesicherten Hintergrundinformationen kann die Effektivität und Praxistauglichkeit berechnet werden. Hinzu kommen Zulassungsfragen, die ebenfalls zu klären sind. Hier sind die Anbieter in der Pflicht all diese Informationen vorzulegen. Die Aussage „Supermittel“ reicht da nicht aus.
Christoph.Otten@dlr.rlp.de

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