Info-Brief 23-2016

für die 39. – 40. KW
23. Sep. 2016

 Was zu tun ist:

  • Futtervorrat kontrollieren
  • Pollenversorgung sichern
  • Varroa Befall kontrollieren und behandeln

Am Bienenstand

Wachsqualität Wachsverfälschung

Hohenheim (kw) Garantiert reines Bienenwachs: Was heißt das eigentlich. Für den Käufer von Mittelwänden ist nicht immer klar, was das wirklich bedeutet. Bezieht sich dieser Begriff auf die Rückstandssituation? Handelt es sich um gereinigtes Wachs, welches vorher belastet, jetzt aber ohne Rückstände angeboten wird? Manche behaupten ja, dass so etwas geht. Oder bezieht sich dieser Begriff eher auf die Unverfälschtheit, also nicht verfälscht mit irgendwelchen Fremdwachsen, wie Paraffin oder Stearin, die wir von den Kerzen her kennen. Oft wird mit Wunschdenken aneinander vorbei gedacht. Gesetzlich definiert ist sowieso nichts. Das gilt übrigens erstaunlicherweise auch für die Bezeichnung 100% reines Bienenwachs. Es fehlen klare Definitionen, Regeln und Richtlinien.

Deshalb müssen wir uns nicht wundern, dass der Anstieg der Weltmarktpreise für gute Bienenwachsqualitäten, den wir seit etwa 4 Jahren erleben, wieder zu den Problemen führt, die wir schon in der Vergangenheit hatten. Das Verfälschen von Bienenwachs mit Billigwachsen aus der Erdölproduktion. Wer die Verfälscher sind, lässt sich nicht sicher sagen. Der gutgläubige Käufer, der sich keine Analysedaten zeigen lässt und meint, mit Auge und Nase alles beurteilen zu können oder der Händler, der gezielt Billigwachse, einkauft und darauf vertraut, dass es niemand merkt. Der Blockwachslachslieferant, der alte Kerzenstummel sammelt und zusammen mit alten Waben in den Sonnenwachsschmelzer gibt, es gibt viele Möglichkeiten und man muss mit Verdächtigungen und vorschnellen Rückschlüssen sehr vorsichtig sein. Bestimmte Länder, wie z.B. China, liefern nahezu immer verfälschtes Wachs, das sollte sich aber mittelweile in der Händlerszene herumgesprochen haben.

Das Bienenvolk selbst ist meist ein schlechter Indikator für Wachsverfälschungen. Bienen fressen das Wachs ja nicht, sondern sie modellieren nur damit. Aus der Mittelwand wird überschüssiges Wachs abgeknabbert und damit die Hälfte der Zellwände aufgebaut. Der letzte Rest wird dann aus reinem Bienenwachs dazu geschwitzt. Bienen bauen also meist auch hoch verfälschte Mittelwände aus. Dann können aber Dinge passieren, die den Imker nervös machen. Es kann zu Brutschäden kommen, da ja aus dem Wachs des Zellbodens und der unteren Zellregionen Substanzen in den Larvenfuttersaft einwandern und dann von den Larven mitgefressen werden. Solche Schäden sind in Vergangenheit schon bei Paraffin-verfälschten Mittel-wänden beobachtet worden, in diesem Jahr sind Larvenschädigungen bei mit Stearin verfälschten Chargen aufgetaucht. Offensichtlich gibt es Substanzen, die in Folge der Verfälschung aus einer Mittelwand über den Larvenfuttersaft die Bienenbrut erreichen können. Von einigen Wirkstoffen aus der Varroabekämpfung, die in rückstands-belasteten Waben zu finden sind, kennen wir diese Migrationsprozesse ja schon.

Es kann auch etwas anderes beobachtet werden, aber nur bei Imkern, die senkrechtgedrahtete Rähmchen in den Honigräumen benutzen. Die eingelöteten Mittelwände werden ausgebaut und sobald die Völker beginnen Honig in den Zellen einzulagern, reißt die Wabe kurz unterhalb des Oberträgers ab und der ganze Zellverband samt Füllung rutscht entlang der Drähte nach unten und baut sich unten als Wachsknäuel auf. Die Bienen füllen das entstandene Loch mit Wildbau aus. Paraffin klebt nicht so fest an den Drähten wie Bienenwachs und wird bei Erwärmung auch schnell weicher. Imker mit waagrechter Drahtung würden allerdings nichts von dieser Verfälschung bemerken.
In welchem Ausmaß in diesem Jahr verfälschtes Wachs in den Umlauf gekommen ist, wissen wir nicht und vermutlich werden wir es auch nie erfahren. Dass verfälschtes Wachs angeboten und auch gekauft wird, liegt mit an den fehlenden gesetzlichen Regelungen, aber auch an den Imkern, die sich meist sehr gutgläubig verhalten und oft auch nie wissen wollen, was sie tat-sächlich in den Händen haben, wenn sie mit den Mittelwandpäckchen im Frühjahr das Imkerfachgeschäft verlassen. Warum fragt denn keiner nach einer Chargennummer auf den Päckchen oder nach einem aktuellen Analysenzertifikat zu dieser Charge mit verständlichen Angaben über die Rückstandssituation und Unverfälschtheit? Nur so kann in Zukunft sichergestellt werden, dass sich die Mittelwandhersteller und Händler selbst Gedanken darüber machen, was sie zukaufen und was sie weitergeben. Die Tatsache, dass es in Vergangenheit sehr unwahrscheinlich war, dass ein Imker nach dem Kauf von Mittelwänden selbst eine Analyse in Auftrag gegeben hat, war natürlich verführerisch. Es gab ja quasi kein Risiko.
Letztendlich schadet das der gesamten deutschen Imkerschaft. Verfälschtes Wachs kommt irgendwann wieder zu den Wachsverarbeitern zurück und landet in großen Schmelzkesseln. Dort entstehen Chargen, bei denen sich dann erst im homogenisierten Zustand herausstellt, wie gut diese Chargen sind. Bisher galt einheimisches Bienenwachs zwar nicht als „rückstandsfrei“, aber eben als unverfälscht. Es hatte damit einen qualitativen Vorsprung gegenüber Wachsen aus anderen Ländern. Dieses Image steht nun auf dem Spiel.

Bienenvölker können ihren Wabenbau selbst herstellen. Das beweisen z.B. Demeter-Imker, die keine Mittelwände verwenden und wir kennen es aus der Korbimkerei. Wir selbst können Wachs gezielt sammeln, können Wachs von alten Waben getrennt halten vom Baurahmen- und vom Entdecklungswachs. Die beiden letzteren stellen das hochwertigste Wachs dar, das wir gewinnen können. Der Imkerverein kann sich eine Mittelwandgussform anschaffen, die verliehen wird und jeder kann aus seinem Wachs seine eigenen Mittel-wände in bekannter Qualität herstellen. Wir können also viel tun, um auf der sicheren Seite zu sein.
Kontakt zum Autor Klaus Wallnerbienewa@uni-hohenheim.de

Warnung!Unzureichende Wirksamkeit von Apitraz!

Hohenheim (pr) Das seit diesem Jahr zur Varroabekämpfung neu zugelassene Präparat Apitraz® hat bei stark mit Varroamilben befallenen Völkern mit Brut offensichtlich eine unzureichende Wirksamkeit. Bei zahlreichen Versuchsvölkern der Landesanstalt konnte trotz einer 6-wöchigen Behandlungsdauer mit Apitraz®-Streifen der Varroabefall nicht ausreichend reduziert werden.

Imker, die dieses Präparat verwendet haben, sollten unbedingt eine Kontrolle des Milbenbefalls durchführen (z.B. natürlicher Milbenfall in den Bodeneinlagen oder Bienenprobe), um den Behandlungserfolg zu überprüfen.

 

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