~Info-Brief 22-2017

für die 35. und 36. KW
25. Aug. 2017

 Was zu tun ist:

  • einfüttern
  • Alt-Waben einschmelzen
  • Honig rühren und ggf. abfüllen
  • im Lager Ordnung schaffen
  • Anstriche erneuern

 Am Bienenstand – Wintereinfütterung

Das richtige Winterfutter

Hohen Neuendorf (jr) Mit dem Ziel, die Winterverluste zu reduzieren, hat Heinrich Freudenstein (1863-1935) um 1900 die Zuckerfutter-Überwinterung eingeführt –mit Erfolg. Denn nicht alle Honige eignen sich als Winterfutter. Namentlich die Honigtau-Honige belasten aufgrund ihres hohen Gehaltes an Ballaststoffen die Kotblase besonders stark und führen häufig zur Darmerkrankung „Ruhr“. Blütenhonige sind als Winterfutter wesentlich besser geeignet und sollten nicht komplett abgeerntet werden. Ein Vorrat an Blütenhonig von 5-10kg (2 bis 4 volle Honigwaben zzgl. Futterkränze auf Brutwaben) je nach Beutenvolumen kommt insbesondere der Brutaufzucht im Frühjahr zugute. Denn für selbige ist hochwertiges Futter gefragt. Im Winter wird dagegen die Nahrungsenergie vorrangig in Wärmeenergie umgewandelt, Stoffwechselabbauprodukte sollten sich angesichts mangelnder Ausflugmöglichkeit in Grenzen halten.

An gutem Futter und an guten Königinnen soll der Imker nicht sparen. Fertigfuttersirup auf der Basis von Rohr- bzw. Rübenzucker, wie z.B. Apiinvert oder Ambrosia, hat sich bewährt. Futtersirup auf Stärkebasis ist zwar etwas billiger, weicht aber häufig von der für Bienen optimalen Zusammensetzung der verschiedenen Zuckerarten ab. Das Auflösen von Haushaltzucker in Wasser ist dagegen nicht mehr üblich – einerseits aufgrund des höheren Arbeitsaufwandes, andererseits wegen der höheren Räuberei-und Gärungsgefahr. Bio-Imker müssen natürlich entsprechend den Richtlinien ihres Verbandes zusätzlich auf die Produktionsverfahren achten. Keinesfalls sollte besonders billig angebotener Zucker verwendet werden, welcher aus dem Lebensmittelhandel aussortiert wurde oder aus Ladungsrückständen stammt. Zudem sind für den Erwerb loser Ware lebensmittelechte Transportgefäße zu verwenden, in denen zuvor nichts anderes enthalten war als Lebensmittel. Lose erworbenes Futter in ausgedienten Pflanzenschutzmittelbehältern zu transportieren ist nicht wirklich „preiswert“, sondern kann sich im folgenden Frühjahr als ziemlich teuer erweisen. Und schließlich sollte auch dem MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bei frischem Futter reicht das MHD bis zur Einfütterung im nachfolgenden Jahr. Werden nicht verbrauchte „Reste“ jedoch bei sommerlicher Temperatur bis zum nächsten Jahr gelagert, kann der HMF-Wert (Hydroxymethylfurfural) bedenkliche Werte annehmen.

Das richtige Futtergeschirr

Für Futtergeschirre gilt das gleiche wie für Transportgefäße: lebensmittelecht und niemals zweckentfremdet. Der Imkereifachhandel bietet verschiedene Modelle an, die in aller Regel eine Fütterung ohne Kontakt mit Bienen ermöglichen. So ist es kein Problem, wenn die Fütterung bis in die Dämmerung dauert, zumal die Fütterung vorzugsweise abends erfolgt. Meist werden diese Futtergeschirre als komplette Futterzarge oder als Futtertrog in einer Leerzarge oben auf die Beute gestellt. Der Zugang ist damit möglichst weit weg vom Flugloch, was die Räubereigefahr minimiert. Wichtig ist natürlich, dass die Beute bis auf Flugloch und Bodengitter dicht geschlossen wird. Auch darf das Flugloch nicht größer sein, als es sicherbewacht werden kann. Zudem sollten alle Völker am Stand gleichzeitig mit Futter versorgt werden.

Beim Futtergeschirr kann der Imker tatsächlich mal sparen. Denn stapelbare Futtereimer oder ebensolche Salatschüsseln vom Imbisstand kosten (fast) nichts und benötigen im Lager kaum Platz. Diese stehen in einer Ecke der aufgesetzten Zarge, damit es die Bienen über die Zargenwand leicht haben, zum Futter zu gelangen. Die auf den Völkern liegende Gaze oder Folie wird für diesen Zweck etwas nach vorn zum Flugloch gezogen, so dass an der Beutenrückwand über alle Wabengassen hinweg ein Durchgang nach oben entsteht. Die Abdeckung bleibt so in der Beute verfügbar und der Futterbehälter wird nirgends angebaut. Als Schwimmer dient überständiges Gras, das zum Vogelnest geformt wird, so dass die Futteroberfläche bedeckt ist und die Enden der Halme über den Gefäßrand überstehen. Stroh ginge zwar auch, ist aber möglicherweise mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Kunststoff-Schwimmer sind also überflüssig, zumal sie den Bienen an der Innenwand des Gefäßes keinen Halt bieten. Sofern sich hier Feuchtigkeit niederschlägt, können sie den Futterbehälter nicht mehr verlassen. Bzgl. Vermeidung von Räuberei gelten natürlich die gleichen Hinweise wie oben beschrieben.

Ein Futtergeschirr sollte mindestens 4 l Lösung fassen. So braucht man nur 1-2mal pro Woche füttern, um Mitte September fertig zu sein. Danach kommt es oft zu plötzlichen Temperaturstürzen. Wer dann nicht fertig ist, schafft sich und seinen Bienen Probleme. Man bedenke, dass die Natur eine so späte massive Futtereinlagerung nicht vorgesehen hat. Schließlich sollen die Sommerbienen das Futter verarbeiten, dagegen die im August/September erbrüteten Winterbienen geschont werden. Diese müssen im Frühjahr volle Leistung bringen! Die mehrfache Nachfütterung dient gleichzeitig der Kontrolle der Futterabnahme. Nachzügler fallen so rechtzeitig auf und können kontrolliert werden. Häufig liegt die Ursache mangelnder Futteraufnahme in Weisellosigkeit begründet oder weil das Volk einfach zu schwach ist. Hierfür gibt es wiederum mehrere Ursachen: hoher Varroa-Befall, mangelnde Leistungsfähigkeit der Königin oder unzureichende Entwicklungsbedingungen für das (Jung-)Volk. Gelegentlich haben die Völker aber auch schon zu große Vorräte –insbesondere infolge einer Melizitose-Tracht, mit der im Zuge des Klimawandels zumindest an wald-nahen Standorten wohl öfter zu rechnen sein wird. Melizitose-(Zement-)Honig ist für die Überwinterung jedoch denkbar ungeeignet.

Bei manchen Völkern bleibt das Futter nach der ersten Futtergabe einfach unberührt, weil sie es nicht finden. Deshalb ist es sinnvoll, bei der ersten Futtergabe etwas Futter über den Aufstieg bis zum Bienen-sitz zu verkleckern und ihnen so den Weg zu weisen.

Die richtige Futtermenge

Die erforderliche Futtermenge ist Erfahrungssache. Sie schwankt von Jahr zu Jahr und hängt von vielen Faktoren ab:

  • Volksstärke,
  • Wärmeleitfähigkeit der Beute,
  • Einzelaufstellung oder durch ein Bienenhaus u.ä. geschützte Aufstellung im Block,
  • klimatische Bedingungen,
  • Beginn und Dauer der Einfütterung,
  • Umfang des belassenen Honig-Vorrates,
  • Beginn der ersten Haupttracht im Folgejahr.

Ferner gilt es zu unterscheiden zwischen eingefütterter Futterlösung, dafür verwendeter Zuckermenge und in den Waben eingelagertem Futter. Zusätzlich variieren die Verhältnisse zwischen diesen Größen in Abhängigkeit von der Futterkonzentration, dem Umfang einzelner Futtergaben und dem Zeitraum der Einfütterung. Eine allgemeingültige Aussage zur erforderlichen Futtermenge ist daher nicht möglich. Dennoch seien zur Orientierung einige Beispiele genannt: So erhalten z.B. einzargig überwinternde Bienenvölker in mittleren Lagen in den gut wärmedämmenden Kunststoff-Magazinbeuten mit Drahtgitter-Boden bei o.g. Mindestvorrat und zügiger Einfütterung 14kg Futtersirup „Apiinvert“ bzw. „Ambrosia“ (= 10kg Zucker), zweizargig überwinternde 21kg (= 15kg Zucker). Gleiches gilt für Hinterbehandlungsbeuten. Völker in freistehenden Holzmagazinen benötigen unter sonst gleichen Bedingungen etwa 1-2kg mehr. Bei zügiger Einfütterung rechnet man 1 Tag pro kg Futtersirup für die Aufnahme und Verarbeitung. Bei Einfütterung über einen längeren Zeitraum kommt es durch unterschiedliche Nutzung noch verfügbarer Tracht und unterschiedlich starken Bruteinschlag zwischen den Völkern zu einer größeren Streuung des späteren Futtervorrates.

Gerade in den letzten Jahren hat es sich wieder bewährt, reichlich einzufüttern, statt den Traum der Imkerei im Frühjahr zu begraben. Da Einsteiger im Frühjahr leicht unruhig werden, ob das Futter reicht: Wiegen Sie ihre Völker vor und nach der Einfütterung ohne Futtergeschirr. Wer die Anschaffung einer sehr informativen elektronischen Stockwaage scheut, greift für wenige Euro zu einer digitalen Kofferwaage mit Anzeige im Griff und addiert das an 2 gegen-überliegenden Seiten durch geringes Ankippen ermittelte Gewicht. Sie haben es dann im Frühjahr leichter, wie ein Profi den Futtervorrat einzuschätzen. So werden insbesondere bei Messungen über mehrere Jahre unnötig das Volk belastende Frühjahrs-Fütterungen verzichtbar. Doch nichts ist unmöglich: Deshalb heben Sie ruhig etwas Futtersirup in einem kühlen Raum für den Ernstfall auf. Wird das Futter nicht benötigt, können Sie mit diesem im folgenden Spätsommer rechtzeitig mit der Einfütterung beginnen – selbst wenn sich die neue Lieferung mal verzögern sollte.

Kontakt zum Autor: Jens.Radtke@rz.hu-berlin.de
Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V.
Friedrich-Engels-Str.32
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