~Info-Brief 21-2017

für die 33. und 34. KW
11. Aug. 2017

 Was zu tun ist:

  • Jungvölker füttern und erweitern
  • Wintersitz der Bienenvölker vorbereiten
  • Honig pflegen
  • Winterfutter beschaffen
  • Räubereivermeiden

 

Am Bienenstand

Asiatische Wespe bedroht Bienenvölker in Europa

Vespa velutina

Münster (wm) Die asiatische Hornisse, Vespa velutina nigrithorax wurde im Jahr 2004 erstmals in Bordeaux, Frankreich, gesichtet. Wahrscheinlich wurde sie mit einem Transport aus ihrer Ursprungsheimat Asien zu uns gebracht. Hier macht sie das gleiche, was vor ihr schon viele andere Tierarten gemacht haben, und was wir Imker von der Varroamilbe zur Genüge kennen: sie fühlt sich wohl und breitet sich aus. Und genau wie die Varroamilbe werden wir auch die Asiatische Hornisse nicht mehr los. Rolf Witt, der wohl erfahrendste Wespenkenner in unserem Land schreibt im Web: „Vespa velutina wird inzwischen als Teil der französischen Fauna betrachtet. Eine Ausrottung wird nicht mehr für möglich gehalten, dagegen eine weitere Expansion als sicher angesehen.“

 

Ruhe bewahren!

Es ist schwierig, bei den vielen Veröffentlichungen, Bewertungen und Meinungen im Internet die Wahrheit zu erkennen. Oft sind Angst und Panikmache, Sensationshascherei und Medienwirbel die Hintergründe dafür, dass wir den sachlichen Blick auf das Thema verlieren. In Frankreich hat sich Vespa velutina bis zum Jahr 2007 massiv verbreitet. Danach sank die Populationsdichte wieder auf ca. 10% der Maximalwerte ab. Dieses Verhalten ist typisch für Tierarten, die einen neuen Lebensraum bevölkern. Die immer wieder kolportierten Schreckensmeldungen muss man relativieren, da nach Bewertungen von Fachleuten diese nicht verallgemeinert werden können. 13 Jahre bevölkert Vespa velutina Frankreich und Imker gibt es immer noch. Auch in den Herkunftsländern der Wespe wird weiterhin geimkert und Honig geerntet.

 

Kundig machen!

Vespa velutina nigrithorax ist von oben gesehen fast schwarz (daher der Name nigrithorax) und besitzt gelbe Fußglieder (Gelbfüßige Hornisse). Nur der Hinterleib ist an den letzten Segmenten gelb gefärbt. Von vorne angeschaut ist das Kopfschild deutlich gelb. Arbeiterinnen können 2,4 cm groß werden, Königinnen nicht über 3 cm. Damit ist Velutina kleiner als unsere heimische Hornisse, Vespa crabro.

 

Lebensweise

Die Lebensweise der Asiatischen Hornisse ähnelt sehr der Biologie unserer heimischen Arten. Begattete Jungköniginnen überwintern an geschützten Orten und gründen im Frühjahr ihr Nest. Die ersten Waben bauen sie selbst und auch die Brut wird von Ihnen mit tierischer Eiweißnahrung gefüttert. Erst wenn ihre ersten Töchterschlüpfen ist der Insektenstaat gegründet und die Arbeiten im Volk übernehmen die Arbeiterinnen. Im Spätsommerwerden dann Geschlechtstiere herangezogen, die Weibchen werden von den männlichen Wespen begattet. Das Muttervolk und auch die alte Königin sterben. Wie die Hornisse können die Völker von Vespa velutina ihren ersten Nistort verlassen und ein Filialnest gründen. Dies ist meist hoch in den Bäumen und wächst recht schnell heran. Auch wenn 10.000 Brutzellen in dem Nest gezählt werden können ist die Zahl der Hornissen selbst mit bis zu 1.000-2.000 gleichzeitig in einem Nest lebenden Individuen doch überschaubar. Wer mehr zur Biologie und Ökologie der Asiatischen Hornisse erfahren möchte, möge sich unter folgenden Links informieren:
hornissenschutz.de
Wikipedia
vespavelutina.eu

 

Wespenfallen helfen nicht!

Oft wird der Einsatz von Wespenfallen propagiert. Diese Wespenfallen sollen, gefüllt mit den unter-schiedlichsten „Zaubersäften“, Bienenvölker vor den Angriffen der Wespe schützen. Das Gegenteilwird der Fall sein, da die Wespen durch die Düfte der Flaschenfallen erst angelockt werden, nach der Nahrung suchen und dann auch die Fluglöcher der Bienenvölker finden. Diese Fallen sind nicht selektiv sondern locken alle an Aas und gärenden Säften interessierten Insekten an, vor allem auch geschützte Wespenarten.

 

Schuld ist die Globalisierung

Die Globalisierung unserer Welt wird immer wieder fremdländische Arten zu uns bringen, Varroa, der Beutenkäfer, Riesen Bärenklau, Drüsiges Springkraut, ja auch das Kaninchen in Australien gehört dazu und eben die Asiatische Hornisse. Keine dieser Eindringlinge sind wir wieder losgeworden und werden es auch nicht. Es ist gut, dass wir das akzeptieren und nicht in wilden Aktionismus verfallen. Besser ist es, Strategien zu entwickeln, wie wir uns und unsere Bienen gegen die potentiellen Bedrohungen schützen können.

 

Starke Völker sind der beste Schutz!

Der bessere Weg, sich vor dem Wespenüberfall zu schützen ist, nur gesunde und starke Völker zu halten und die Fluglöcher zu verengen. So kann die Fluglochwache ihre Aufgabe maximal gut erfüllen. Auch ist die Aufstellung unserer Völker zu überdenken. Eine verteilte lockere Aufstellung der Völker sowie viele kleine Stände machen es den Wespen schwer, alle Beuten zu finden und zu bejagen. Die Bienen sind so auch deutlich friedlicher und erfüllen durch die feinmaschige Aufstellung ihren ökologischen Auftrag als Allround-Bestäuber in bester Weise.

 

Aethina tumida

Der Kleine Beutenkäfer, Aethina tumida ist ein Schädling in Honigbienenvölkern und ursprünglich in Afrika, südlich der Sahara beheimatet. Er ist uns schon lange als Problem bekannt. Im Jahr 1996 wurde er in die USA eingeschleppt, 2002 nach Australien. Seitdem hat er sich dort in kürzester Zeit über weite Gebiete und in den USA auch über die Landesgrenzen hinaus ausgebreitet. Seit der Feststellung des Befalls in Kalabrien und Sizilien im Jahr2014 konnten die eingeleiteten Maßnahmen der italienischen Behörden zur Ausrottung des Käfers das erneute Auftreten in 2015, 2016 und 2017 nicht verhindern. Derzeit sind für 2017 amtlich fünf Fälle in der Region Kalabrien bestätigt (Stand: 04.08.2017). In Deutschland ist jeder Verdacht des Befalls anzeigepflichtig. Um Imker, Bienensachverständige und Behörden umfassend zu informieren, wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und dem Friedrich-Löffler-Institut eine Leitlinie herausgegeben. Die Broschüre „Leitlinie zur Bekämpfung des Kleinen Beutenkäfers (Aethina tumida) und der Tropilaelapsmilben“ kann unter www.apis-ev.de erworben werden. Des Weiteren stellt das Nationale Referenzlabor für Bienenkrankheiten am Friedrich-Löffler-Institut umfangreiches Informationsmaterial zum Thema unter https://www.fli.de/de/ zur Verfügung.

Kontakt zum Autor: werner.muehlen@lwk.nrw.de

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Quelle:www.bienenkund.rlp.de