~Info-Brief 20-2018

für die 35 und 36. KW
24. Aug. 2018

Was zu tun ist

  • Einfüttern
  • Altwaben einschmelzen
  • Honig pflegen und ggf. abfüllen
  • Teilnahme am Honigwettbewerb vorbereiten
  • Milbenfall weiterhin im Blick behalten

 Am Bienenstand

Münster (mh) Langsam aber sicher bereiten sich unsere Honigbienen auf die nächste Winterperiode vor. Für die meisten Menschen ist das bei den noch vorherrschenden Temperaturen kaum vorstellbar. Aber für das weitere Überleben eines Bienenvolkes beginnt jetzt im August eine kritische Phase – mit dem Start der Erbrütung gesunder Winterbienen werden die Weichen für eine erfolgreiche Überwinterung gestellt. Langlebige Winterbienen unterscheiden sich von kurzlebigen Sommerbienen nicht nur im Verhalten, sondern auch in ihrer Physiologie.

Aus diesem Grund kommt der Beobachtung des Befalls mit Varroa destructor (im folgenden Varroa-Milben genannt) eine wichtige Bedeutung zu. Nur durch eine erfolgreiche Reduktion der Population an Varroa-Milben im Bienenvolk werden sich annähernd gesunde Bienen entwickeln.

Aufgrund der hohen Temperaturen der letzten Monate haben die meisten Imker nach der Abschleuderung noch nicht behandelt. Dies sollte nun umgehend nachgeholt werden, denn wir benötigen im Sommer zwei Behandlungen, nach der Honigernte und im September nach abgeschlossener Einfütterung, um die Anzahl der vermehrungsfähigen Varroa-Weibchen effizient unter die Schadensschwelle zu drücken. Als Mittel der Wahl für die Sommerbehandlungen ist Ameisensäure 60% ad us. vet. in einem geeigneten Verdunster (mit Vakuumprinzip) zu empfehlen. Als einziger Stoff wirkt Ameisensäure nicht nur bei Milben, die sich auf den Bienen befinden, sondern auch in die gedeckelten Brutzellen hinein und tötet dort die sich reproduzierenden Varroa-Weibchen und deren Nachkommen. Es wird immer wieder davon gesprochen, dass die Ameisensäure nicht funktioniert oder dass eine höher konzentrierte Säure eingesetzt werden muss, um einen Behandlungserfolg zu erzielen. Dem muss hier widersprochen werden. Imker verabreichen ein Tierarzneimittel, dessen Anwendung nicht trivial, aber sicher ist. Nicht nur für Sie als Anwender, sondern auch für den Verbraucher. Es gilt auch hier wie bei vielen anderen Aspekten, so viel wie nötig aber so wenig wie möglich. Die Dosis macht das Gift, dies zeigt sich immer wieder bei beschriebenen Bienen- und Brutverlusten durch unzulässig angewendete Ameisensäure in höheren Konzentrationen und Dosierungen. In einem geeigneten Verdunster, so wie in der Standardzulassung für Ameisensäure beschrieben, ist eine hinreichende Behandlung mit hohem Wirkungsgrad erreichbar. Dies gilt sowohl für die 1. Behandlung als auch für die 2. Behandlung im Spätsommer. Gerade in den Sommermonaten sollte der durchschnittliche Milbenfall regelmäßig, am besten wöchentlich kontrolliert werden, um den Erfolg der Behandlung abschätzen zu können, mindestens über den Zeitraum eines Brutzyklus und noch besser kontinuierlich bis in den Herbst bzw. Winter. Die einfachste Methode ist die Gemülldiagnose. Es kann aber auch über andere Methoden eine Bienenprobe begutachtet werden (Auswaschmethode / Puderzuckermethode). Am Bienenstand ist es manchmal nicht ganz einfach, die Milben im Gemüll zu identifizieren, hier empfiehlt sich, eine Lupe oder ein Vergrößerungsglas dabei zu haben. Die Schadschwellen für die Gemülldiagnose und Bienenprobe wurden in den vorherigen Infobriefen in aller Ausführlichkeit beschrieben und sollen hier zusammenfassend für die Saison dargestellt werden:

Gemülldiagnose (Milben pro Tag)
Zeitpunkt Juli: 10
Zeitpunkt brutfrei im Herbst 0,5 – 1

Bienenprobe (Milben pro 100 Bienen)
Zeitpunkt Juli: 3
Zeitpunkt brutfrei im Herbst  1

Die Schadschwellen sinken mit proportionaler Abnahme der Bienen und Zunahme der Varroa-Milben.

Die organischen Säuren Ameisensäure, Milchsäure und Oxalsäure sind unsere wichtigsten Wirkstoffe in der Varroa-Kontrolle. Sie verbinden gute Bienenverträglichkeit mit hoher Wirksamkeit. Jeder Wirkstoff hat dabei Vor-und Nachteile und ist in bestimmten Behandlungszeiträumen am Effizientesten. So das Sprühen von Milchsäure bei der Behandlung von brutfreien Ablegern und Kunstschwärmen, die Langzeitverdunstung der Ameisensäure in der Sommerbehandlung und das Träufeln bzw. Sprühen von Oxalsäure bei Brutfreiheit. Jeder Imker wählt die für ihn geeignete Behandlungsmethode, aber tun Sie sich und Ihren Bienen einen Gefallen und stellen Sie die gleichen Anforderungen für den Einsatz eines Behandlungsmittels wie bei sich selbst, nutzen Sie ein zugelassenes Präparat, was allen Ansprüchen des Arzneimittelbuches und des Arzneimittelgesetzes entspricht. Und auch der Honigkonsument als Verbraucher wird dadurch geschützt, denn Imker arbeiten mit lebensmittelerzeugenden Tieren.

Es gilt auch in der Entwicklung von Tierarzneimitteln für Bienen: keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Es wäre vermessen zu behaupten, dass der Einsatz der organischen Säuren keinen Einfluss auf die behandelten Bienen hätte. Besonders für Ameisensäure in Konzentrationen > 60% sind erhebliche Brutschäden bis hin zu Königinverlusten beschrieben, für Oxalsäure konnte gezeigt werden, dass es subletal zu Effekten in der Lebensdauer, im Verhalten und auch zu physiologischen Veränderungen kommt. Deshalb verbieten sich erhöhte Wirkstoffeinsätze, Mehrfachbehandlungen und der Gebrauch höherer Konzentrationen als in den deutschen Standardzulassungen beschrieben: (https://www.bvl.bund.de/DE/05_Tierarzneimittel/ ). Beim Einsatz der organischen Säuren wie in den Packungsbeilagen beschrieben, überwiegt noch immer der Nutzen durch die gesicherte Wirksamkeit gegenüber den Nebenwirkungen.

In eigener Sache: Für den einen oder anderen Leser mögen das Selbstverständlichkeiten oder gar Binsenweisheiten sein, und sicherlich wiederholen sich die Themen im Laufe der Jahre. Es hat sich aber gezeigt, dass durch die wachsende Imkerschaft der Bedarf an fachlich korrekten Informationen, die auf wissenschaftlich erhobenen Erkenntnissen beruhen, stetig wächst. Wir versuchen, diesem Anspruch bestmöglich gerecht zu werden.

Kontakt zur Autorin:
Dr. Marika Harz
marika.harz@lwk.nrw.de

 

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Aber auch die Konten der Fördervereine nehmen Spenden gerne an: Spenden an Apis e.V. Verein zur Förderung der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer NRW

Übersicht über neue Faulbrutmeldungen

http://tsis.fli.bund.de

Blühphasenmonitoring

http://bienenkunde.rlp.de/

Varroawetter

www.varroawetter.de

 

Quelle:

http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_20.pdf