~Info-Brief 19-2018

für die 33. KW
10. Aug. 2018

Was zu tun ist

  • Räuberei vermeiden
  • Varroabehandlung beginnen
  • Jungvölker füttern und bedarfsgerecht erweitern
  • Wintersitz vorbereiten

 

Am Bienenstand

Der Wachskreislauf

Hohenheim (kw) Bienenwachs war im Mittelalter ein seltener und deshalb sehr gefragter Rohstoff. Nur die Zeidler konnten das Material für die Kerzen der Königshäuser, Kirchen und Klöster liefern. Sie suchten bzw. bejagten wildlebende Honigbienen, die sich meist in hohlen Bäumen angesiedelt hatten, räumten den Großteil des Wabenwerks aus und konnten so Honig und Wachs gewinnen. Die Zeidler waren eine eigene Zunft mit hohem gesellschaftlichen Ansehen und mit eigener Gerichtsbarkeit.

Mit der Erfindung des Rähmchens setzte ein radikaler Wandel ein. Die Honigjagd der Zeidler wurde ersetzt durch eine bienenfreundlichere, nachhaltige Bewirtschaftung der Bienenvölker, weil die Brutnester der Bienenvölker durch den, jetzt beweglich gewordenen Wabenbau, nicht mehr zerstört werden mussten. Auf der anderen Seite führte diese Änderung dazu, dass diese Waben in den Völkern wesentlich älter wurden. Durch die häufige Bebrütung stieg die Zahl der in den Zellen verbliebenen Puppenhäute und Larvenkotreste in diesen Waben massiv an, ganz anders wie in den meist einjährigen Waben, die früher die Zeidler ernteten. Eine Folge war, dass Kerzen, die aus ausgeschmolzenem Wachs dieser Waben hergestellt wurden, sehr schlecht gebrannt haben. Die vielen Schwebstoffe im Wachs verstopften die Dochte und man begann das schwebstoffarme Entdecklungswachs, Wildbauwachs und das Wachs von Baurahmen für die Kerzenproduktion zu verwenden. Damit wurde aber, vor allem im deutschsprachigen Raum, eine Entwicklung eingeleitet, die heute wieder rückgängig gemacht werden muss. Es ist nämlich tatsächlich ein Wachskreislauf in den Bienenbüchern beschrieben worden, der zeigt, wie mit hocheffizienten Schmelzverfahren, z.B. dampfbetriebenen Spindelpressen etwa 99% des Bienenwachses aus dunklen Altwaben zurückgewonnen werden konnte. Dieses Wachs wurde durch eine Säurebehandlung optisch geschönt und konnte so wieder als gelbes Mittelwandwachs eingesetzt werden. Der Wachskreislauf im eigentlichen Sinn bedeutet also, dass altes Wachs tatsächlich zirkuliert und immer wieder in die Bienenvölker zurückkommt. Dies war in den Jahrzehnten vor der Einschleppung der Varroamilbe auch kein wirkliches Problem, weil es im Rahmen der Mittelwandproduktion möglich war, Krankheitserreger im Wabenwerk abzutöten. Von den Mittelwänden, hergestellt aus Altwachs, ging also keinerlei Gefahr aus.

Diese Situation hat sich aber schlagartig geändert, als synthetisch hergestellte Varroazide, wie Perizin oder Apistan flächendeckend zum Einsatz gekommen sind und sich das Wabenwerk in den Bienenvölkern nahezu auf der ganzen Welt damit angereichert hatte. Jetzt wurde dieses Recyling zum großen Problem, weil sich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, im Rahmen der Altwachsverarbeitung diese Wirkstoffe nicht entfernen oder zerstören lassen. Dies betrifft im Übrigen auch eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln, die mit Pollen und Nektar in die Bienenvölker eingetragen werden. Mit Rückständen belastete Mittelwände werden so ein Risiko für die Honigqualität, weil es zu Diffusionsprozessen aus dem Wachs in den Honig kommen kann. Dies betrifft aber auch das Futter, in dem die jungen Bienenlarven schwimmen. Auch dort können Wirkstoffe, die aus dem Mittelwandwachs stammen, gefunden werden. Bienenwachs neigt dazu, sich mit Wirkstoffen aus der Umweltbelastung, der Landwirtschaft und mit Betriebsmitteln der Imkerei anzureichern. Je älter es werden darf, und genau das wird über Wachsrecyling erreicht, umso mehr Wirkstoffe können im Wachs nachgewiesen werden und umso kritischer wird es im Hinblick auf die der Bienengesundheit und die Qualität der Bienenprodukte.

Deshalb darf es den Wachskreislauf im ursprünglichen Sinne nicht mehr geben, sondern wir sollten verstärkt das Baurahmenwachs, es ist das rückstandsärmste Wachs im Bienenvolk, und das Entdecklungswachs für die Mittelwandproduktion verwenden. In den Richtlinien der Ökoverbände ist dies übrigens schon seit langer Zeit so vorgeschrieben.

Kontakt zum Autor:
Dr. Klaus Wallner
E-Mail: Klaus.Wallner@uni-hohenheim.de

 

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www.varroawetter.de

 

Quelle:

http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_19.pdf