~Info-Brief 19-2017

für die 30. KW
Juli 2017

Was zu tun ist:

  • Varroadiagnose
  • Jungvölker pflegen
  • Auf Räuberei achten
    Trachtabhängig:
  • Völker abernten
  • ausgeschleuderte Waben auslecken lassen
  • Wintersitz vorbereiten
  • Futterkontrolle
  • Varroabekämpfung vorbereiten / durchführen

 

Am Bienenstand

Erinnern Sie sich noch?

Kirchhain (cd) Dieses Jahr wurde schlecht ausgewintert. Das darf sich nicht wiederholen. Mit einer guten Spätsommerpflege werden Ihre Bienen über den Winter kommen. Und zwar mit Sicherheit. Neben den wichtigen Faktoren wie Futterversorgung, Volksstärke und Alter der Königin ist die Varroabelastung der Winterbienen der entscheidende Faktor. Die Winterbienen müssen gesund, vital und wenig parasitiert sein. Es ist letztendlich egal, ob Sie mit den altbewährten Ameisensäure-Konzepten der Milbe auf den Leib rücken, oder mit den neuen biotechnischen Methoden wie der totalen Brutentnahme oder dem Käfigen der Königin. Viele Wege führen nach Rom. Sie müssen aber wissen, wann Sie „die Reise“ antreten müssen, und ob Sie „Rom“ schon erreicht haben. Das schaffen Sie nur durch Varroadiagnose.

 

Stichproben schaffen keine Sicherheit

Imkerinnen und Imker die regelmäßig alle Völker kontrollieren wissen es längst. Die Milbenbelastung der Völker ist vor und oft auch noch nach der Behandlung unterschiedlich. Während sich ein Großteil der Völkerähnlich verhält, gibt es Ausreißer. Der Anteil Ausreißer liegt in der Regel bei 5 bis 15 % der Völker. Diese Ausreißer werden Sie verlieren, wenn Sie sie nicht aufspüren. Machen Sie es ab sofort anders. Das Erfolgsmotto lautet:

Spätestens ab der zweiten Jahreshälfte werden alle Völker regelmäßig kontrolliert.

Zur Varroadiagnose ist die Bienenprobe oder die Gemülldiagnose geeignet. Für welches Verfahren Sie sich entscheiden ist eher zweitrangig. Entscheidend ist nur, dass das Verfahren geeignet ist, richtig und sorgfältig angewendet wird.

„Varroa-Tester“ ungeeignet

Völlig ungeeignet ist beispielsweise der „Varroa-Tester“. Dabei werden die Bienen aus der Bienenprobe durch Kohlendioxid „schlafen gelegt“. Dabei sollen die Milben abfallen und ausgezählt werden können. Das klappt aber viel zu unzuverlässig und besitzt eine viel zu geringe Effizienz.

Fehlerquellen

Grundsätzlich haben alle Methoden Fehlerquellen und können falsche Ergebnisse produzieren. Und grundsätzlich werden im Fehlerfall immer zu niedrige Werte produziert. Und das ist fatal. Ihnen wird ein gesundes Bienenvolk vorgegaukelt, obwohl die Bienen krank sind. Die Fehlerquellen sind bei je-der Methode anders.

Trocken und staubig …

muss es bei der Puderzuckermethode zugehen. Zunächst müssen Sie eine ausreichend große und repräsentative Bienenmenge sammeln. Dazu werden aus dem brutnestnahen Bereich Bienen auf eine Folie gestoßen. Eine gut bienenbesetzte Futterwabe aus der oberen Zarge ist dazu geeignet. Diese wird einmal zusammengelegt, um die Bienen in einen Becher zu füllen. Ein 125ml-Urinbecher ist ein gutes Maß. Ein voller Becher fasst die erforderlichen 500 Bienen. Die Bienenmenge sollte durch Wiegen genau bestimmt werden. Zehn Bienen wiegen ein Gramm, also brauchen Sie etwa 50 Gramm Bienen. Die Bienen werden sofort mit fünf Esslöffeln Puderzucker in einen Varroa-Schüttelbecher gegeben und geschüttelt. Den Becher drei Minuten stehen lassen und dann über ein feines Sieb eine Minute gründlich ausschütteln. Die Milben werden durch das Feinsieb aufgehalten und können ausgezählt werden. Hier darf keine Feuchtigkeit ins Spiel gekommen sein und der Puderzucker muss fein und trocken sein. Feuchtigkeit könnte beispielsweise durch den Mageninhalt der Bienen oder durch feuchte Witterung in den Becher gekommen sein. Dann klappt diese Methode nicht.

Auswaschmethode

Das „Feuchtigkeitsproblem“ kann durch Abtöten und Auswaschen der Bienenprobe gelöst werden. Die Auswaschmethode ist weniger fehleranfällig. Allerdings haben viele Imkerinnen und Imker mit dem Töten der Bienenprobe ein Problem.

Gemülldiagnose

Sehr viele Imker setzen auf die Gemülldiagnose und das aus gutem Grund. Hier kann zu jeder Tageszeit und Witterung ohne Störung der Bienen über den natürlichen Milbenfall die Belastung abgeschätzt werden. Unter dem Gitterboden wird für ca. drei Tage die Bodeneinlage eingeschoben. Es werden alle Milben, die hellen, wie auch die dunklen Milben gezählt und durch die Verweildauer in Tage geteilt. Die „Einheit“ lautet Milben/Tag. Hier gibt es aber auch Fehlerquellen. Eine Bausperre reduziert den Milbenabfall genauso wie ein Gitter, das den Boden nicht vollflächig abdeckt. Das Hauptproblem liegt aber wo anders. Ohrenkneifer und Ameisen können zu einem echten Problem werden. Sie fressen und tragen Gemüll weg und reduzieren die Milben auf der Bodeneinlage. Dann klappt diese Methode auch nicht.

Ein Ameisenbär ……

könnte Abhilfe schaffen. Die sind aber aufwendig in der Haltung und schwer zu beschaffen. Es geht auch anders. Stellen Sie die Völker nicht zu bodennah auf und halten Sie das Gras kurz. Der Bodenschieber wird nur für ca. drei Tage eingeschoben. Danach wird er wieder entfernt und das Gitter bleibt offen. Ansonsten gewöhnt sich das „Ungeziefer“ an den Bodenschieber als Futterstätte. Die Beuten sollten auch nicht auf einer geschlossenen Palette stehen. Das Gemüll muss ungehindert auf den Boden fallen können. Ansonsten sammelt sich Gemüll auf dem Lager an und zieht Mitesser an. Hilfreich kann das Fetten des Bodenschiebers sein. Viel hilft viel. Durch einen dünnen Fettfilm können Sie keine Ameise beeindrucken. Eine dicke Öl-oder Fettschicht macht mehr Eindruck. Außerdem bleiben die Milben am Schieber haften und können nicht mehr durch den Wind weggeblasen werden. Für Extremfälle gibt es Beutenuntersätze die eine „Ameisensperre“ eingebaut haben.

Und jetzt nicht durcheinanderkommen

Die Schwellenwerte, bei denen Sie handeln sollten, sind bei der Bienenprobe anders als bei der Gemülldiagnose. Bei der Bienenprobe: Die Schadschwelle wird im Juli bei 3Milben/100 Bienen erreicht und sinkt fortlaufend bis Brutstillstand auf 1 Milbe/100 Bienen. Bei der Gemülldiagnose: Die Schadschwelle wird im Juli bei 10Milben/Tag erreicht und sinkt fortlaufend bis Brutstillstand auf 1Milbe/Tag. Beachten Sie die Schadschwellen und handeln Sie danach. Liegen Sie noch deutlich unter den Schadschwellen, muss eine Varroabehandlung zumindest nicht unmittelbar erfolgen. Vor allem wenn Sie erheblich darunterliegen, sollten Sie den Medikamenteneinsatz abwägen. Wo eine Wirkung, da ist auch eine Nebenwirkung. Bei einem gesunden Patienten richtet Ameisensäure, Oxalsäure und Co. mehr Schaden als Nutzen an.

Sind die Schwellenwerte erreicht, muss aber gehandelt und die Völker entlastet werden. Das kann auch außerplanmäßig nötig werden. Welches Verfahren Sie wählen sollten, hängt nicht zuletzt von der Jahreszeit und der Witterung ab. Die Ameisensäure benötigt für gute Wirkungsgrade warme Witterung und erträgt keine zu hohe Luftfeuchtigkeit. In einem nassen und kalten Jahr oder, wenn Sie noch spät reagieren müssen kann es schwierig werden. Bei den biotechnischen Methoden spielt das Wetter keine Rolle. Eine komplette Brutentnahme mit anschließender Oxalsäurebehandlung kann auch noch spät im Jahr erfolgen. Die Oxalsäure arbeitet im brutfreien Zustand völlig witterungsunabhängig.

Passen Sie sich an. Ein starres Behandlungskonzept nach „Schema-F“ führt nur in „Schema-F-Jahren“ mit „Schema-F-Völkern“ zum Erfolg. Eine lückenlose und konsequente Varroadiagnose mit angepasstem Behandlungskonzept führt immer zum Erfolg.

Kontakt zum Autor: christian.dreher@llh.hessen.de

Übersicht über neue Faulbrutmeldungen
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Varroawetter
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Quelle: www.bienenkunde.rlp.de