~Info-Brief 18-2018

für die 31. KW
27. Juli 2018

Was zu tun ist

  • Jungvölker kontinuierlich füttern und bedarfsgerecht erweitern
  • Wintersitz der Bienenvölker vorbereiten
  • Varroabehandlung beginnen
  • Bei allen Arbeiten Räuberei unbedingt vermeiden

  

Am Bienenstand

 Die Varroabekämpfung steht an!

Veitshöchheim (sb) Das Bienenjahr neigt sich dem Ende zu. In vielen Regionen sind die Trachtquellen schon frühzeitig versiegt. In Regionen ohne Spättracht haben die meisten Imkereien schon begonnen abzuräumen. Jetzt steht die Varroabekämpfung mit Ameisensäure oder Thymol unmittelbar bevor. Aber auch in den Regionen mit noch vorhandener Tracht sollte die Varroaentwicklung und –bekämpfung frühzeitig berücksichtigt und eingeplant sein. Keinesfalls darf man sich von einem niedrigen Varroabefall in Nachbarständen täuschen lassen. Der Milbenbefall verschiedener Stände in einer Region kann sehr stark unterschiedlich sein. Letztlich ist der Befallsgrad der Völker für den richtigen Zeitpunkt der Behandlung ausschlaggebend und nicht der jeweilige Trachtverlauf. Im vorletzten Infobrief (Infobrief 2018_16 vom 13.07.2018) wurden die Methoden der Befallsbestimmung und die zugelassenen Varroabehandlungsmittel vorgestellt. Jetzt muss abhängig vom gewählten Verfahren der Befallsbestimmung und vom Befallsgrad reagiert werden. Hierfür können die Angaben von Schadschwellen zur Orientierung dienen. Diese Angaben sind natürlich nur grobe Näherungswerte, s. Tabelle. Diese Werte können natürlich nur zur groben Orientierung dienen. Sie sind klar abhängig von dem jeweiligen Volkszustand. Ein schwaches Volk, mit gleichem, natürlichen Milbenabfall wie ein starkes Volk, ist deutlich stärker gefährdet.

 

Der Varroa an den Kragen

Nach dem Abräumen der Honigräume wird zuerst eine Futterkontrolle durchgeführt. Da wo Bedarf ist, einen kurzen Futterstoß geben. Dann kann die Behandlung beginnen.

Wichtig für die Behandlung der Völker ist die Anwendung von gut erprobten, wirkungsvollen Bekämpfungsvarianten. Eine gute Orientierung bieten die Behandlungskonzepte der Bieneninstitute, diese sind erprobte Konzepte die, bei konsequenter Umsetzung, eine erfolgreiche Varroabekämpfung gewährleisten, z.B.:

Behandlungskonzept Bayern

Behandlungskonzept Hohenheim

Behandlungskonzept Kirchhain

Während bei der Behandlung der Völker mit Thymol fertige Tierarzneimittel zur Verfügung stehen, ist das bei der Ameisensäure anders. Neben dem Tierarzneimittel Mite Away Quick Strips® (MAQS®) ist die Anwendung von Ameisensäure 60 % ad us. vet. in verschiedenen Anwendungsformen weit verbreitet. Hierbei ist aber nicht jede Anwendungsform gleich wirksam.

Eine größtmögliche Wirksamkeit der Ameisensäurebehandlung kann durch die Verwendung eines Verdunstersystems erreicht werden. Verdunster wie der Nassenheider professional oder der Liebig-Dispenser zeigen sehr günstige Behandlungsergebnisse und bieten ein hohes Maß an Zuverlässigkeit. Die Verdunstersysteme werden nach dem Entfernen eventueller Wachsbrücken auf die Rähmchen aufgestellt. Als zusätzlicher Raum bietet sich eine Flachzarge oder ein umgedrehtes Futtergeschirr an. Es geht auch eine leere Vollzarge, aber je weniger zusätzlicher Raum umso besser. Die Verdunster verfügen über eine Skalierung an den Vorratsbehältern, mit deren Hilfe die Verdunstungsmenge abgelesen werden kann und mit den in der Gebrauchsanweisung angegeben Werten für eine optimale Behandlung verglichen werden können. Die Behandlung erfolgt mit Ameisensäure 60% ad us. vet.! Alternativ zu den Verdunstern konnten auch mit dem Mite Away Quick Strip® (MAQS®) hohe und verlässliche Behandlungserfolge erzielt werden.

Video zur Behandlung mit dem Nassenheider professionell

 

Teilen und Behandeln

Neben der Anwendung von Thymol oder Ameisensäure kann auch das Konzept „Teilen und Behandeln“ zur Anwendung kommen. Hierbei steht durch die Kombination von Völkerteilung (und eventuell anschließender Rückvereinigung) und Behandlung mit Milch- oder Oxalsäure im brutfreien Zustand ein Verfahren zur Verfügung, das auch bei Witterungsverläufen einsetzbar ist, bei denen Thymol oder Ameisensäure nicht gut einsetzbar sind. Teilen und behandeln

 

Das Wetter unbedingt beachten!

Für Ameisensäure wie für die Thymolpräparate gilt, der Wirkstoff wird durch Verdunstung freigesetzt und diese ist von den Außentemperaturen abhängig. Für eine gute Wirksamkeit der Behandlung sind ausreichend hohe, aber auch nicht zu hohe Tageshöchsttemperaturen Voraussetzung! Hier kann das „Varroawetter“ bei der Entscheidung wann die Behandlung am besten durchzuführen ist helfen. Das Varroawetter gibt eine grobe Orientierung, ob für die jeweils gewählte Behandlungsvariante für den geplanten Zeitpunkt günstige Witterungsbedingungen bestehen. Natürlich kann das nur eine grobe Orientierung sein. Es ist eine Prognose und kann nicht die kleinklimatischen Bedingungen jedes Bienenstandes berücksichtigen.

Tabelle Schadschwellenbestimmung mit der Bodeneinlage im Juli (Landesanstalt für Bienenzucht Hohenheim):
< 5 Milben / Tag = „akut noch keine Gefahr“.
5–10 Milben / Tag = starker Befall und Behandlung zeitnah durchführen.
> 10 Milben / Tag = sofortige Maßnahmen einleiten.

Leider auch Melezitose

Es mehren sich aus vielen Gebieten in Bayern (Spessart, Oberpfalz, Allgäu) aber auch anderen Bundesländern Meldungen über den Eintrag von schnell kristallisierendem Honig. Hier haben die Bienen Honigtau mit hohen Anteilen Melezitose eingetragen. Melezitose ist ein Dreifachzucker der sich aus zwei Molekülen Glukose und einem Molekül Fruktose zusammensetzt. Honig mit einem hohen Anteil Melezitose wird sehr schnell sehr zäh und fest, eine Schleuderung ist fast unmöglich. Honig aus schleuderbaren Waben enthält entweder noch Anteile anderer Honige oder der Honig ist nicht reif, und es muss mit Gärung gerechnet werden.

Das Auftreten von Melezitose ist immer mit viel Arbeit und nicht geringen Gefahren für die Bienenvölker verbunden. Die Bienen arbeiten sich mit dem Eintrag des Honigs ab, die Waben können nicht normal geerntet werden und sind auch nicht als Winterfutter zu gebrauchen. Häufig ist auch eine Abwanderung der Völker nicht möglich. Was also ist zu tun?

Wer nur geringe Mengen in den Völkern hat, sollte die Waben entnehmen und diese im Frühjahr in kleinen Mengen für die Ablegerfütterung verwenden. Eine Überwinterung auf Melezitose ist gefährlich, da die Bienen das Futter im Wintersitz nicht auflösen können, und damit die Kotblase belastet wird. Ruhr und Nosema sind häufig die Folge.

Auf jeden Fall sollten die Bienen Platz bekommen, damit sie den Honig nicht im Brutnest ablegen. Bei Auftreten von Melezitose ist der Bautrieb oft sehr gut, so dass durch Zugabe von Mittelwänden ein Teil der Energie in Wachs fließt. Allerdings halten die wenigsten Imker Ende Juli einen entsprechenden Vorrat an Mittelwänden vor. Es gibt verschiedene Verfahren Melezitosehonig von den Bienen umtragen zu lassen. Infos zum Vorgehen gibt ein Merkblatt auf der Internetseite des Instituts für Bienenkunde und Imkerei.

Merkblatt Melezitosehonig

Kontakt zum Autor: stefan.berg@lwg.bayern.de

 

Spendenaufruf

Wenn Sie mit unserer Arbeit zufrieden sind, würden wir uns über eine finanzielle Unterstützung freuen. Fachzentrum Bienen und Imkerei
Kreissparkasse Mayen BLZ: 576 500 10 Konto Nr.: 98029465
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Kennwort: Infobrief

Aber auch die Konten der Fördervereine nehmen Spenden gerne an: Spenden an Apis e.V. Verein zur Förderung der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer NRW

Übersicht über neue Faulbrutmeldungen

http://tsis.fli.de

Blühphasenmonitoring

http://bienenkunde.rlp.de/

Varroawetter

www.varroawetter.de

 

Quelle:

http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_18.pdf