~Info-Brief 18-2017

für die 29. KW
Juli 2017

Was zu tun ist:

  • Jungvölker kontinuierlich füttern und bedarfsgerecht erweitern
  • Wintersitz der Bienenvölker vorbereiten
  • Honig rühren
  • letzte Honigernte vorbereiten
  • Winterfutter beschaffen
  • Bei allen Arbeiten Räuberei Unbedingt vermeiden

 

Am Bienenstand

Nachtrachtpflege – Grundstein für das nächste Jahr

Hohen Neuendorf(jr) Mit der Linde endet für viele Völker die Massentracht, der Bautrieb versiegt, der Schwarmtrieb sowieso. Die Bienenvölker bereiten sich auf den Winter vor und der Imker unterstützt sie. Schließlich wird mit der Nachtrachtpflege der Grundstein für das nächste Jahr gelegt. Hier-bei gibt es durchaus Unterschiede: Während die Jungvölker wachsen, haben die Altvölker ihren Entwicklungshöhepunkt überschritten.

 

Pflege der Jungvölker

Nachdem die Jungvölker in einer möglichst von verdeckelter Brut freien Phase gegen Varroa-Milben behandelt wurden, benötigen sie einen kontinuierlichen Futterstrom, um weiter zu bauen und das Brutnest auszuweiten. Da Fütterung gerade bei Trachtmangel nicht nur den Brut-, Putz-und Bautrieb sondern auch den Sammeltrieb anregt, fördert sie die Räubereigefahr. Insofern sollten die Fluglöcher eng gehalten werden, so dass sie sicher zu verteidigen sind. Letzteres geht umso besser, wenn sich der Bienensitz nahe am Flugloch befindet bzw. das Flugloch nahe am Bienensitz. Hier haben Imker mit quadratischen Beuten einen Vorteil: Besetzt das Jungvolk weniger als 1 Zarge, wird diese auf Querbau gedreht, mit dem Bienensitz zum Flugloch. Oder das Flugloch wird durch eine entsprechende Einengung seitlich zum Bienensitz hin orientiert.

Die Reizwirkung nimmt von Honiglösung mit der stärksten Reizwirkung und höchsten Räubereigefahr über Zuckerlösung und Futterteig zu Maische hin ab. Mittelwände werden nur noch einzeln neben das Brutnest gehängt, aber auch nur so lange, wie sie zügig ausgebaut und freudig bebrütet werden. Andernfalls behindern sie die weitere Entwicklung. Besser werden jetzt honigfeuchte, vor allem schon einmal bebrütete Waben angenommen, die aber wiederum Räuberei fördern. Doch Reizfütterung und Erweiterung helfen wenig, wenn kein ausreichender Futtervorrat vorhanden ist. Dieser ist zuvor zu kontrollieren und sollte je nach Stärke der Jungvölker 1-2 Waben umfassen. Bei Futtermangel werden entsprechend Honigwaben in die Zukunft investiert. Zu kontrollieren ist bei den Erweiterungsmaßnahmen auch das Brutnest. Ist es gleichmäßig oder eher lückenhaft? Gibt es Auffälligkeiten an den Zelldeckeln oder im Zellinneren –seien es Verfärbungen oder Beschädigungen? Dann sollte ein Bienensachverständiger des Imkervereins zu Rate gezogen werden, um eine Klärung herbeizuführen. Ggf. ist eine labordiagnostische Untersuchung durch das Veterinär-und Lebensmittelüberwachungsamt oder das nächste Bieneninstitut ratsam. Das Veterinär-und Lebensmittelüberwachungsamt ist auf jeden Fall umgehend telefonisch zu informieren, wenn abgestorbene Brut sichtbar wird und sich an einem hineingesteckten Streichholz oder einer Pinzette beim Herausziehen bzw. Auf-und Zuschnappen ein Faden bildet. Hier liegt Verdacht auf Amerikanische Faulbrut vor.

Sind auch die Bienen alle unauffällig oder erscheinen einzelne Arbeiterinnen klein und schwarz, eventuell sogar ohne Flügel? Dann dürften sich die Varroa-Milben explosiv vermehrt haben und deren wirksame Bekämpfung ist nun umgehend erforderlich. Ameisensäure im Nassenheider Verdunster gemäß Gebrauchsanweisung ist hierfür eine gute Option. Jungvölker, die sich im Vergleich zu anderen schlechter entwickeln, weil z.B. neben Arbeiterinnenbrut auch oder gar ausschließlich Drohnenbrut gepflegt wird, werden aufgelöst. Dazu wird die Beute von ihrem bisherigen Platz entfernt, die Königin sofern auffindbar abgedrückt und die Bienen abgefegt. Die Waben werden bienensicher verwahrt und zügig eingeschmolzen. Schließlich bereiten Jungvölker, die sich nicht von Anfang an freudig entwickeln nur unnötig Arbeit und Sorgen. Auch in der Natur hätten sie keine reale Chance. Insofern unterstützen wir mit dem Auflösen wenig vitaler Völker die natürliche Auslese.

 

Pflege der Altvölker

Auch bei den Altvölkern wird geprüft, welche in das nächste Jahr gehen sollen. Oft sind diese umzuweiseln, zumal mit zunehmen-dem Alter der Königin die Gefahr von Winterverlusten steigt. Junge bis einjährige Weiseln sind am leistungsfähigsten. Schon im zweiten Jahr lässt die Fruchtbarkeit dieser weiblichen Wesen nach. Die Umweiselung erfolgt am sichersten mit einem Jungvolk durch Aufsetzen unmittelbar vor der Ein-fütterung oder nur mit einer begatteten Weisel nach der Einfütterung –geschieht also zu einem Zeit-punkt, zu dem die bisherige Weisel durch Verringerung der Eiablage weniger Pheromon abgibt und im Vergleich zu einer seit mehreren Wochen aktiven Jung-Königin an Attraktivität verloren hat. Bei Völkern, die allein oder durch Vereinigung in den nächsten Winter gehen sollen, kann schon während der letzten Haupttracht der spätere Wintersitz eingerichtet werden. Solange die Bienen draußen Nahrung finden, besteht keine Räubereigefahr. Das lässt den Imker einfacher und schneller an den Völkern arbeiten und schont die Nachbarn. Worauf ist zu achten? Auch hier gilt wie bei den Jungvölkern: Brutnest und Bienen sind genau in Augenschein zu nehmen, um kleinste Veränderungen zu entdecken. War die Tracht eher mäßig oder der Honigraum im Verhältnis zu Brutraum und Nahrungseintrag reichlich bemessen, kann der Honigvorrat im Brutraum dürftig ausfallen. In Vorbereitung der letzten Honigernte ist daher auf ausreichend Nahrungsvorrat im Brutraum zu achten: Fünf bis zehn Kilogramm Blüten-Honig (2-4 volle Waben zzgl. Futterkränze) sollten dem Bienenvolk verbleiben, um jeglichen Mangel zu vermeiden. Das gilt selbstverständlich nicht für Wald- und Melezitose-Honig. Diese Honige erschweren eine erfolgreiche Überwinterung und sind daher zu entfernen, was eine umso konsequentere Fütterung unmittelbar nach der Honig-ernte notwendig macht. Einzelne Mittelwände bzw. bislang unbebrütete Waben (Jungfernwaben) werden aus dem Brutraum entfernt. Sie werden nun nicht mehr angenommen und engen somit das Brutnest ein, beschränken also die Aufzucht von Winterbienen. Selbst an Jungfernwaben mit dem ersten Brutsatz wird gelegentlich sichtbar, ab wann die Weisel unbebrütetes Wabenmaterial verschmäht: Neben etwas verdeckelter Brut befinden sich weder Stifte noch Larven. Solch eine einzelne Jungfernwabe mit wenig Brut kann am äußersten Rand der Beute zurückbleiben, damit die Bienen noch schlüpfen können. Innerhalb des Waben-werks würden unbebrütete Waben im Winter die Bienen als Kältebrücke davon abhalten, auf das dahinter liegende Futter weiterzurücken und somit den Hungertod heraufbeschwören. Das ist ein scheinbarer Widerspruch zur verbreiteten Empfehlung, den Brutraum vor der Einfütterung mit unbebrüteten, möglichst honigfeuchten Waben oder mit Mittelwänden zu erweitern. Das funktioniert auch tatsächlich – allerdings nur, wenn die hellen Waben nicht einzeln vorhanden sind sondern als einheitlicher Block, der eine komplette Ebene, also Zarge füllt.

 

Wohin mit den Baurahmen?

Die Baurahmen werden letztmalig ausgeschnitten und aus Völkern, die einzargig überwintert werden, entfernt. Sie benötigen den gesamten Raum um ausreichend Futter einzulagern und darunter die Wintertraube anzulegen. Bei zweizargig zu überwinternden Völkern brauchen die beiden Baurahmen nur an jeweils eine Seitenwand der untersten Zarge gehängt werden. Da das schrumpfende Wintervolk nicht eckig, sondern abgerundet sitzt, werden die Ecken und Kanten nicht von Bienen besetzt. Hier besteht die Gefahr, dass Wabenschimmel auftritt, der nun durch die entsprechend bessere Belüftung vermieden wird. Zudem erspart sich der Imker unnötige Arbeit: Die Baurahmen müssen im Spätsommer nicht durch Waben ersetzt werden und im Frühjahr braucht man keine entnehmbaren Waben suchen, um die Baurahmen einhängen zu können. Es wird im Frühjahr einfach nur deren Position geändert.

 

Räuberei vermeiden

Die Honigräume bleiben bei der Durchsicht der Bruträume zunächst unbeachtet und werden unversehrt wieder auf die Völker gestellt. Denn je weniger mit Honigwaben hantiert wird, desto ruhiger bleiben die Bienen bei nachlassender Tracht. Erst wenn alle Bruträume fertig sind und noch immer Ruhe am Stand herrscht, kann der Honig nach Trachtschluss geerntet werden. Bei der aktuell wechselhaften Witterung sollten dafür mehrere Tage ohne Niederschlag und mit geringer Luftfeuchtigkeit abgewartet werden. Denn bei geringer Luftfeuchtigkeit fällt es den Bienen leichter, den Nektar oder Honigtau ausreichend zu trocknen. Entsprechend sonniges Wetter ist in der kommenden Woche zu erwarten. Und bis zur Kontrolle des Varroa-Befalls, die im nächsten Info-Brief beschrieben wird, kann der Honig auf den Völkern bleiben. Er sollte aber rechtzeitig vor Beginn der Behandlung der Völker geerntet werden, damit die Behandlung bei optimaler Witterung beginnen kann. Eile ist mit der Honigernte jedoch geboten, wenn das Jakobskreuzkraut großflächig auftritt. Hier sollte der Honig geerntet werden, sobald er reif ist, um den Eintrag von giftigen Pyrrolizidinalkaloiden (PAs) zu vermeiden.

Kontakt zum Autor: Jens.Radtke@rz.hu-berlin.de

Übersicht über neue Faulbrutmeldungen
http://tsis.fli.bund.de
Blühphasenmonitoring
http://bienenkunde.rlp.de/
Varroawetter
www.varroawetter.de

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Quelle: www.bienenkunde.rlp.de