~Info-Brief 17-2018

für die 30. KW
20. Juli 2018

Was zu tun ist

  • Jungvölker kontinuierlich füttern und bedarfsgerecht erweitern
  • Wintersitz der Bienenvölker vorbereiten
  • Honig rühren
  • Winterfutter beschaffen
  • Bei allen Arbeiten Räuberei unbedingt vermeiden

 

 Am Bienenstand

 Nachtrachtpflege Grundstein für das nächste Jahr

Hohen Neuendorf (jr) Das diesjährige besonders frühe Ende der Massentrachten stellt besondere Anforderungen an die Nachtrachtpflege. Denn die Bienenvölker bereiten sich bereits ab dem Hochsommer auf den Winter vor. Dabei ist Nektar der Treibstoff des Bienenvolkes. Ohne Nektar sind die Völker wenig motiviert, Brut aufzuziehen. Somit muss der Imker für Ersatz sorgen. Schließlich wird mit der Nachtrachtpflege der Grundstein für das nächste Jahr gelegt. Dabei ist zu beachten: Während die Jungvölker noch wachsen, haben die Altvölker ihren Entwicklungshöhepunkt längst überschritten.

 

Pflege der Jungvölker

Nachdem die Jungvölker in einer möglichst von verdeckelter Brut freien Phase gegen Varroa-Milben behandelt wurden, benötigen sie einen kontinuierlichen Futterstrom, um sowohl weiterzubauen als auch das Brutnest auszuweiten. Da Fütterung gerade bei Trachtmangel nicht nur den Brut-, Putz- und Bautrieb sondern auch den Sammeltrieb anregt, fördert sie die Räubereigefahr. Insofern sollten die Fluglöcher eng gehalten werden, so dass sie sicher zu verteidigen sind. Letzteres geht umso besser, wenn sich der Bienensitz nahe am Flugloch befindet bzw. das Flugloch nahe am Bienensitz. Hier haben Imker mit quadratischen Beuten einen Vorteil: Besetzt das Jungvolk deutlich weniger als 1 Zarge, wird diese auf Querbau gedreht, mit dem Bienensitz zum Flugloch. Oder das Flugloch wird durch eine entsprechende Einengung seitlich zum Bienensitz hin verschoben.

Die Reizwirkung nimmt von Honiglösung mit der stärksten Reizwirkung und gleichzeitig höchsten Räubereigefahr über Zuckerlösung und Futterteig zu Maische hin ab. Mittelwände werden nur noch einzeln neben das Brutnest gehängt, aber auch nur so lange, wie sie zügig ausgebaut und freudig bebrütet werden. Andernfalls behindern sie die weitere Entwicklung. Besser werden jetzt honigfeuchte, schon einmal bebrütete Waben angenommen, die aber wiederum Räuberei fördern. Doch Reizfütterung und Erweiterung helfen wenig, wenn kein ausreichender Futtervorrat vorhanden ist. Dieser ist zuvor zu kontrollieren und sollte je nach Stärke der Jungvölker 1-2 volle Waben umfassen. Bei Futtermangel werden entsprechend Honigwaben in die Zukunft investiert.

 

Brutnest kontrollieren!

Zu kontrollieren ist bei den Erweiterungsmaßnahmen auch das Brutnest. Ist es gleichmäßig oder eher lückenhaft? Gibt es Auffälligkeiten an den Zelldeckeln oder im Zellinneren – seien es Verfärbungen oder Beschädigungen? Dann sollte ein Bienensachverständiger des Imkervereins zu Rate gezogen werden, um eine Klärung herbeizuführen. Ggf. ist eine labordiagnostische Untersuchung durch das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt oder das nächste Bieneninstitut ratsam. Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt ist auf jeden Fall umgehend telefonisch zu informieren, wenn abgestorbene Brut sichtbar wird und sich an einem hineingesteckten Streichholz oder einer Pinzette beim Herausziehen bzw. Auf- und Zuschnappen ein Faden bildet. Hier liegt Verdacht auf Amerikanische Faulbrut vor.

Flitzen braune oder schwarze ca. 5 mm lange Käfer schnell in dunkle Ecken oder bewegen sich mehrere Larven ohne Gespinst auf/in den Waben, sind diese in einem festen, durchsichtigen Kunststoffbehälter oder einem dichten Honigglas zu verwahren. Der Amtstierarzt ist ebenfalls umgehend zu informieren. Hier besteht der Verdacht auf Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer. Nur wenn er frühzeitig erkannt wird, besteht die Chance, ihn wieder zu tilgen. Zahlreiche Importe von Bienenvölkern bergen leider eine permanente Einschleppungsgefahr. Weitere Informationen zum Kleinen Beutenkäfer finden Sie auf der Homepage des FLI (Friedrich-Loeffler-Institut).

Sind auch die Bienen alle unauffällig oder erscheinen einzelne Arbeiterinnen klein und schwarz, eventuell sogar ohne Flügel? Dann dürften sich die Varroa-Milben explosiv vermehrt haben und deren wirksame Bekämpfung ist nun umgehend erforderlich. Ameisensäure im Nassenheider Verdunster gemäß Gebrauchsanweisung ist hierfür eine gute Option. Auflösen schwacher Völker Jungvölker, die sich im Vergleich zu anderen schlechter entwickeln, weil z. B. neben Arbeiterinnenbrut auch oder gar ausschließlich Drohnenbrut gepflegt wird, werden aufgelöst. Dazu wird die Beute von ihrem bisherigen Platz entfernt, die Königin sofern auffindbar abgedrückt und die Bienen werden abgefegt. Die Waben werden bienensicher verwahrt und zügig eingeschmolzen. Schließlich bereiten Jungvölker, die sich nicht von Anfang an freudig entwickeln unnötig Arbeit und Sorgen. Auch in der Natur hätten sie keine reale Chance. Insofern unterstützen wir mit dem Auflösen wenig vitaler Völker die natürliche Auslese.

 

Pflege der Altvölker

Auch bei den Altvölkern wird geprüft, welche in das nächste Jahr gehen sollen. Oft sind diese umzuweiseln, zumal mit zunehmendem Alter der Königin die Gefahr von Winterverlusten steigt. Junge bis einjährige Weiseln sind am leistungsfähigsten. Schon im zweiten Jahr lässt die Fruchtbarkeit dieser weiblichen Wesen nach. Die Umweiselung erfolgt am sichersten mit einem Jungvolk durch Aufsetzen unmittelbar vor der Einfütterung oder nur mit einer begatteten Weisel nach der Einfütterung – geschieht also zu einem Zeitpunkt, zu dem die bisherige Weisel durch Verringerung der Eiablage weniger Pheromon abgibt und im Vergleich zu einer seit mehreren Wochen aktiven Jung-Königin an Attraktivität verloren hat. Aber auch Völker, denen jetzt die gesamte Brut entnommen wird, nehmen eine neue Königin problemlos an. Dabei bietet es sich an, die alte Königin bei der Brutentnahme zu käfigen, eine Varroa-Bekämpfung mit einer organischen Säure durchzuführen und dann die alte Königin durch eine neue unter Futterteigverschluss zu ersetzen.

 

Wintersitz einrichten

Bei Völkern, die allein oder durch Vereinigung in den nächsten Winter gehen sollen, konnte schon während der letzten Haupttracht der spätere Wintersitz eingerichtet werden. Solange die Bienen draußen Nahrung finden, besteht keine Räubereigefahr. Das lässt den Imker einfacher und schneller an den Völkern arbeiten und schont die Nachbarn. Worauf ist zu achten? Auch hier gilt wie bei den Jungvölkern: Brutnest und Bienen sind genau in Augenschein zu nehmen, um kleinste Veränderungen zu entdecken. War die Tracht eher mäßig oder der Honigraum im Verhältnis zu Brutraum und Nahrungseintrag reichlich bemessen, kann der Honigvorrat im Brutraum dürftig ausfallen. In Vorbereitung der letzten Honigernte ist daher auf ausreichend Nahrungsvorrat im Brutraum zu achten: Fünf bis zehn Kilogramm Blüten-Honig (2-4 volle Waben zzgl. Futterkränze) sollten dem Bienenvolk verbleiben, um jeglichen Mangel zu vermeiden. Das gilt selbstverständlich nicht für Wald- und Melizitose-Honig. Diese Honige erschweren eine erfolgreiche Überwinterung und sind daher zu entfernen, was eine umso konsequentere Fütterung unmittelbar nach der Honigernte notwendig macht. Einzelne Mittelwände bzw. bislang unbebrütete Waben (Jungfernwaben) werden aus dem Brutraum entfernt. Sie werden nun nicht mehr angenommen und engen somit das Brutnest ein, beschränken also die Aufzucht von Winterbienen. Selbst an Jungfernwaben mit dem ersten Brutsatz wird gelegentlich sichtbar, ab wann die Weisel unbebrütetes Wabenmaterial verschmäht: Neben etwas verdeckelter Brut befinden sich weder Stifte noch Larven. Solch eine einzelne Jungfernwabe mit wenig Brut kann am äußersten Rand der Beute zurückbleiben, damit die Bienen noch schlüpfen können. Innerhalb des Wabenwerks würden unbebrütete Waben im Winter die Bienen als Kältebrücke davon abhalten, auf das dahinter liegende Futter weiterzurücken und somit den Hungertod heraufbeschwören. Das ist ein scheinbarer Widerspruch zur verbreiteten Empfehlung, den Brutraum vor der Einfütterung mit unbebrüteten, möglichst honigfeuchten Waben oder mit Mittelwänden zu erweitern. Das funktioniert auch tatsächlich – allerdings nur, wenn die hellen Waben nicht einzeln vorhanden sind sondern als einheitlicher Block, der eine komplette Zarge füllt.

Auch bei den Altvölkern ist es gerade aufgrund des verbreitet frühen Trachtendes sinnvoll, mittels Reizfütterung für einen kontinuierlichen Futterstrom zu sorgen. So wird die Brutaufzucht ebenso angeregt wie die Ausnutzung des vorhandenen Pollenangebotes. Die Wintereinfütterung vorzuziehen, würde dagegen zu einer frühen Einschränkung des für die Brutaufzucht verfügbaren Raumes und zu ungleichen Vorräten bis zum Herbst führen.

 

Wohin mit den Baurahmen?

Die Baurahmen werden letztmalig ausgeschnitten und aus Völkern, die einzargig überwintert werden sollen, entfernt. Sie benötigen den gesamten Raum, um ausreichend Futter einzulagern und darunter die Wintertraube anzulegen. Bei zweizargig zu überwinternden Völkern brauchen die beiden Baurahmen nur an jeweils eine Seitenwand der untersten Zarge gerückt werden. Da das schrumpfende Wintervolk nicht eckig, sondern abgerundet sitzt, werden die Ecken und Kanten nicht von Bienen besetzt. Hier besteht die Gefahr, dass Wabenschimmel auftritt, der nun durch die entsprechend bessere Belüftung vermieden wird. Zudem erspart sich der Imker unnötige Arbeit: Die Baurahmen müssen im Spätsommer nicht durch Waben ersetzt werden und im Frühjahr braucht man keine entnehmbaren Waben suchen, um die Baurahmen einhängen zu können. Es wird im Frühjahr einfach nur deren Position geändert.

 

Räuberei vermeiden!

Die Honigräume bleiben bei der Durchsicht der Bruträume zunächst unbeachtet und werden unversehrt wieder auf die Völker gestellt. Denn je weniger mit Honigwaben hantiert wird, desto ruhiger bleiben die Bienen bei nachlassender Tracht. Erst wenn alle Bruträume fertig sind und noch immer Ruhe am Stand herrscht, kann der Honig nach Trachtschluss geerntet werden. Aufgrund der verbreitet extrem trockenen Witterung und ausgesprochen kühlen Nächten liegt der Wassergehalt des Honigs meist ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen ziemlich niedrig. Nur an Standorten mit wechselhafter Witterung sollten mehrere Tage ohne Niederschlag und mit geringer Luftfeuchtigkeit abgewartet werden. Er sollte aber rechtzeitig vor Beginn der Varroa-Behandlung der Völker geerntet werden, damit die Behandlung bei optimaler Witterung beginnen kann. Details zur Varroa-Bekämpfung finden Sie im nächsten Info-Brief in einer Woche. Eile ist mit der Honigernte jedoch geboten, wenn das Jakobskreuzkraut großflächig auftritt. Hier sollte der Honig geerntet werden, sobald er reif ist, um den Eintrag von giftigen Pyrrolizidinalkaloiden (PAs) zu vermeiden. Zudem sind die Nutzungsgewohnheiten der angrenzenden Gärten durch die Nachbarn zu berücksichtigen. Bei Trachtmangel reagieren die Bienen oft unruhiger auf Eingriffe durch den Imker, was sich auch in der näheren Umgebung bemerkbar machen kann.

Kontakt zum Autor: Dr. Jens Radtke Jens.Radtke@rz.hu-berlin.de

 

Spendenaufruf

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Aber auch die Konten der Fördervereine nehmen Spenden gerne an: Spenden an Apis e.V. Verein zur Förderung der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer NRW

Übersicht über neue Faulbrutmeldungen
http://tsis.fli.bund.de

Blühphasenmonitoring
http://bienenkunde.rlp.de/

Varroawetter
www.varroawetter.de

 

Quelle:

http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_17.pdf