~Info-Brief 16-2018

für die 29. KW
13. Juli 2018

Was zu tun ist

  • Varroadiagnose
  • Jungvölker pflegen
  • Auf Räuberei achten
  • Trachtabhängig: Völker abernten ausgeschleuderte Waben auslecken lassen
  • Wintersitz vorbereiten
  • Futterkontrolle
  • Varroabekämpfung vorbereiten/durchführen

 Am Bienenstand

Kirchhain (cd)

Geheimtipps

… bei der Varroabekämpfung können Sie sich ruhig sparen. Meistens lösen sich diese „Geheimtipps“ genauso schnell auf wie Ihre Bienenvölker. Zurück bleiben nur tote Völker und enttäuschte Imker. Setzen Sie lieber auf gut erprobte, wirkungsvolle und zugelassene Behandlungsmittel und Methoden. Davon gibt es zuhauf. Biotechnische Methoden und Mittel auf der Basis organischer Säuren sollten Sie aber bevorzugen. Sie hinterlassen keine problematischen Rückstände in den Bienenvölkern. Aber letztendlich ist es egal, mit welchen zugelassenen Mitteln Sie der Milbe auf den Leib rücken. Viele Wege führen nach Rom. Sie müssen aber wissen, wann Sie „die Reise“ antreten müssen, und ob Sie das Ziel schon erreicht haben. Das schaffen Sie nur durch die Varroadiagnose. Und die dürfen Sie sich auf keinen Fall sparen.

 

Kontrolleure haben den Durchblick

Die Milbenbelastung der Völker ist ein individuelles Problem und fällt zum Teil sehr unterschiedlich aus. Während sich ein Großteil der Völker ähnlich verhält, gibt es immer wieder Ausreißer. Der Ausreißeranteil liegt in der Regel bei 5 % bis 15 % der Völker. Diese Völker werden Sie verlieren, wenn Sie sie nicht entdecken. Die Erfolgsformel lautet: Ab der zweiten Jahreshälfte werden alle Völker regelmäßig kontrolliert.

Zur Varroadiagnose sind die Bienenprobe oder die Gemülldiagnose geeignet. Für welches Verfahren Sie sich entscheiden, ist eher zweitrangig. Entscheidend ist nur, dass das Verfahren geeignet ist, und vor allem richtig und sorgfältig angewendet wird. Grundsätzlich haben alle Methoden Fehlerquellen und können falsche Ergebnisse produzieren. Und grundsätzlich werden im Fehlerfall immer zu niedrige Werte produziert. Und das ist fatal: Ihnen wird ein gesundes Bienenvolk vorgegaukelt, obwohl die Bienen krank sind. Die Fehlerquellen sind bei jeder Methode anders.

 

Trocken und staubig …

… muss es bei der Puderzuckermethode zugehen. Zunächst müssen Sie eine ausreichend große und repräsentative Bienenmenge sammeln. Ein wichtiger Punkt und eine zentrale Fehlerquelle. Leider sind die Milben nicht gleichmäßig auf der Bienenpopulation verteilt. Eine bienenbesetzte Futterwabe aus der oberen Zarge kann die geeigneten Probanden liefern. Die Bienen werden auf eine Folie gestoßen, diese wird einmal zusammengelegt und die Bienen in einen Becher gefüllt. Ein 125ml-Urinbecher ist ein gutes Maß. Ein voller Becher fasst die erforderlichen 500 Bienen. Die Bienenmenge sollten Sie durch Wiegen genau bestimmen. Zehn Bienen wiegen etwa ein Gramm, also brauchen Sie rund 50 Gramm Bienen. Die Bienen werden sofort mit drei bis fünf Esslöffel feinem und trockenem Puderzucker in einen Varroa-Schüttelbecher gegeben und geschüttelt. Den Becher drei Minuten stehen lassen und dann über ein feines Sieb eine Minute gründlich ausschütteln. Die Milben werden durch das Feinsieb aufgehalten und können ausgezählt werden (https://www.youtube.com/watch?v=- ZQmm78nMnE). Hier darf keine Feuchtigkeit ins Spiel gekommen sein. Feuchtigkeit könnte beispielsweise durch den Mageninhalt der Bienen oder durch feuchte Witterung in den Becher gekommen sein. Dann klappt diese Methode nicht.

Besonders sparsame Imker fangen diesen Puderzucker auf und verwenden ihn mehrfach. Das ist aber keine gute Idee. Der Puderzucker hat in jedem Fall Feuchtigkeit aufgenommen und wird qualitativ immer schlechter. Weg damit, oder den Zucker direkt an die Bienen verfüttern. Wenn Sie Lust haben, können Sie natürlich auch noch einen Kuchen daraus backen. Dann wird selbst aus einem gewöhnlichen Marmorkuchen ein „Bienenkuchen“.

 

Mein lieber Schieber

Viele Imker setzen auf die Gemülldiagnose. Und das aus gutem Grund. Hier kann zu jeder Tageszeit und Witterung ohne Störung der Bienen über den natürlichen Milbenfall die Belastung abgeschätzt werden. Unter dem Gitterboden wird für ca. drei Tage die Bodeneinlage eingeschoben. Es werden alle Milben, die hellen, wie auch die dunklen Milben gezählt und durch die Verweildauer in Tagen geteilt. Die „Einheit“ lautet Milben / Tag. Hier gibt es aber auch Fehlerquellen. Eine Bausperre reduziert den Milbenabfall genauso wie, wenn das Gitter nicht vollflächig den Boden abdeckt. Das Hauptproblem liegt aber wo anders: Ohrenkneifer, Ameisen und Co. können zu einem echten Problem werden. Sie fressen und tragen Gemüll weg und reduzieren die Milben auf der Bodeneinlage. Dann klappt diese Methode auch nicht gut. Das können Sie aber vermeiden. Holen Sie die Völker aus dem Dreck Stellen Sie die Völker nicht zu bodennah auf und halten Sie das Gras kurz. Eine ordentliche Höhe der Beutenständer schont nicht nur Ihren Rücken, sondern beugt auch „Untermietern“ vor. Die Beuten sollten auch nicht auf einer geschlossenen Palette stehen. Das Gemüll muss ungehindert auf den Boden fallen können. Ansonsten sammelt sich Gemüll auf dem Lager an und zieht Mitesser an. Hilfreich kann das Fetten des Bodenschiebers sein. Viel hilft dabei viel. Durch einen dünnen Fettfilm, oder durch in Tücher gebundenes Öl lassen sich Ameisen auf keinen Fall beeindrucken. Eine dicke Öl- oder Fettschicht macht mehr Eindruck. Außerdem bleiben die Milben am Schieber haften und können nicht mehr durch den Wind weggeblasen werden. Der Bodenschieber wird nur für ca. drei Tage eingeschoben. Danach wird er wieder entfernt und das Gitter bleibt offen. Ansonsten gewöhnt sich das „Ungeziefer“ an den Bodenschieber als Futterstätte.

 

Das muss man sich merken

Die Schwellenwerte, bei denen Sie handeln sollten, sind bei der Bienenprobe anders als bei der Gemülldiagnose. Bei der Bienenprobe: Die Schadschwelle wird im Juli bei 3 Milben / 100 Bienen erreicht und sinkt fortlaufend bis Brutstillstand auf 1 Milbe / 100 Bienen. Bei der Gemülldiagnose: Die Schadschwelle wird im Juli bei 10 Milben / Tag erreicht und sinkt fortlaufend bis Brutstillstand auf 1 Milbe / Tag. Beachten Sie die Schadschwellen und handeln Sie danach. Liegen Sie noch deutlich unter den Schadschwellen, muss eine Varroabehandlung zumindest nicht unmittelbar erfolgen. Vor allem wenn Sie erheblich darunter liegen, sollten Sie den Medikamenteneinsatz abwägen. Wo eine Wirkung, da ist auch eine Nebenwirkung. Bei einem gesunden Patienten richten Ameisensäure, Oxalsäure und Co. mehr Schaden als Nutzen an. Sind die Schwellenwerte erreicht, muss aber zügig gehandelt werden um die Völker zu entlasten. Das kann auch außerplanmäßig nötig sein. Welches Verfahren Sie wählen sollten, hängt nicht zuletzt von der Jahreszeit und der Witterung ab. Ameisensäure und Thymolpräparate sind in ihrer Wirkung von Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit abhängig. Mit sinkenden Temperaturen lässt ihre Wirkung nach, zu hohe Temperaturen können die Bienen schädigen. Hier kann das „Varroawetter“ (www.varroawetter.de) bei der Entscheidung, wann die Behandlung am besten durchzuführen ist, helfen. In einem nassen und kalten Jahr, oder wenn Sie noch spät reagieren müssen, kann es aber trotzdem schwierig werden. Bei den biotechnischen Methoden spielt das Wetter keine Rolle. Eine komplette Brutentnahme mit anschließender Oxalsäurebehandlung kann auch noch spät im Jahr erfolgen. Die Oxalsäure arbeitet im brutfreien Zustand völlig witterungsunabhängig.

 

Bis zur Wintersonnenwende

Gerade im Herbst werden die Völker gerne vergessen, und dann „scheppert“ es doch noch. Wer früh mit der Spätsommerpflege beginnt, der ist meistens auch früh fertig. Aber erst im September und im Oktober schlüpfen die Winterbienen. Sie müssen gesund und vital zur Welt kommen. Bis dahin kann noch viel passieren. Die Populationsdynamik der Varroamilbe stellt uns immer wieder vor Rätsel und sorgt für Überraschungen. Deshalb liegt der Schlüssel zum verlustfreien Imkern in der Varroadiagnose, und nicht in der Varroabekämpfungsmethode. Es kommt auch nicht darauf, an wie viele Milben während oder nach der Behandlung fallen. Es kommt darauf an, wie viele Milben überlebt haben. Und das müssen Sie wissen.

Kontakt zum Autor:

Christian Dreher christian.dreher@llh.hessen.de

 

 

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Übersicht über neue Faulbrutmeldungen
http://tsis.fli.bund.de

Blühphasenmonitoring
http://bienenkunde.rlp.de/

Varroawetter
www.varroawetter.de

Quelle:
http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_16.pdf