~Info-Brief 15-2018

für die 27. KW
29. Juni 2018

Am Bienenstand

Hohenheim (vs) Um als Imker Waldhonig – auch genannt Honigtauhonig – zu ernten, ist es durchaus sinnvoll, ein Auge auf die Honigtauerzeuger zu haben. Diese stechen die Siebröhren der Bäume an, auf denen sie leben. Mit Hilfe der Siebröhren befördert der Baum zum Wachstum wichtige Nährstoffe über die Wurzeln und den Stamm in alle Zweige, Nadeln oder Blätter. Die Nährstoffe befinden sich im so genannten Siebröhrensaft, welcher auch den Honigtauerzeugern zum Wachstum dient. Die darin enthaltenen, nicht benötigten Zucker, scheiden die Honigtauerzeuger in großen Mengen als Honigtau aus. Diese Tropfen werden unter anderem von unseren Honigbienen aufgenommen und im Stock zu Waldhonig verarbeitet. Wer also weiß, wo welche Honigtauerzeuger vorkommen und honigen, der weiß auch, wo man am besten hinwandert, um Waldhonig zu gewinnen.

 

Die Melezitose

Der Dreifachzucker Melezitose stellt eine Gefahr für den Imker dar, da der Zucker bei hohen Konzentrationen zur Auskristallisierung des Waldhonigs führt. Der so genannte Zementhonig wird steinhart und muss unter hohem Aufwand weiter behandelt werden, um überhaupt geerntet zu werden. Die meisten Imker nehmen den Verlust der Waben in Kauf. Jedoch kann die Melezitose auch gemieden werden. Er kommt hauptsächlich im Fichtenhonig und besonders im Honigtau der Großen schwarzen Fichtenrindenlaus (Cinara piceae) vor. Wer die Läuse beobachtet, weiß, welche Standorte man meiden kann, um die Problematik mit dem eigentlich sehr schmackhaften Zementhonig zu umgehen.

Wer noch offene aber bereits trübende Honigwaben im Fichtenwald hat, könnte bereits kristallisierenden Honig haben. Die schnelle Kristallisation deutet auf Melezitosehonig hin. Die sandige Konsistenz kann durch eine Geschmacksprobe ermittelt werden. Möchte man den Honig trotz aller Mühen ernten, kann man ihn bei Einsatz von Naturwaben als Wabenhonig anbieten oder am besten frühzeitig ausschleudern. Auch können entdeckelte und bewässerte Melezitosewaben von den Bienen umgetragen werden. Als Winterfutter sollte Melezitosehonig jedoch auf keinen Fall eingesetzt werden, da die Verdauung dieses Honigs für die langlebigen Winterbienen zu Darmproblemen führen kann.

 

Das Honigtaujahr April bis Juni 2018

Eine erfreuliche Nachricht für alle Waldhonig-Imker ist dieses Jahr, das der Anteil an Melezitose im Honigtau bisher gegen Null geht. Das es insgesamt wenig Honigtau gibt, ist natürlich weniger erfreulich. Aber nun der Jahresablauf für Baden-Württemberg, hauptsächlich für den Schwarzwald und das schwäbische Keuper-Lias Land.

Anfang des Jahres, bereits im April, konnte man erste einzelne Honigtautropfen finden. Das Bienenjahr hat früher angefangen und so auch der Jahreszyklus der Honigtauerzeuger. Sehr vereinzelt waren die kleine und große Lecanie (Physokermes hemicryphus und P. piceae) vorhanden, vermutlich wurden diese im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren stark parasitiert (Schlupfwespen) oder von Vögeln gefressen. Im Mai kam die Grün gestreifte Fichtenrindenlausar (Cina stroyani) und die Stark bemehlte Fichtenrindenlaus (Cinara costata) hinzu. Die Läuse traten zwar vereinzelt auf, allerdings führte es zu keiner Waldtracht, da nicht genug Honigtau aufkam. Nicht lange darauf folgte die „Pilicornis“ – die Rotbraune bepuderte Fichtenrindenlaus (Cinara pilicornis). Letztere war die einzige Laus auf der Fichte, die regional auch zu Waldtracht geführt haben kann. Auf der Tanne wurde vereinzelt die Coloradotannen – Rindenlaus (Cinara curvipes) und die Große braunschwarze Tannenrindenlaus (Cinara confinis) entdeckt, welche auch von Honigbienen beflogen wurden und zu kleinen Mengen Waldhonig geführt haben können.

Betrachtete man nebenbei die Laubbäume, konnte man teilweise Honigtau sammelnde Bienen in Faulbäumen (Schwarze Bohnenlaus, Aphis fabae), Apfelbäumen, Buche (Buchenblattlaus, Phyllaphis fagi) und vermehrt auch auf der Linde (Lindenzierlaus, Eucallipterus tiliae) finden.

Leider begann das Wetter Ende Mai, Anfang Juni nicht mehr mitzuspielen und nach den Schauern und teilweise heftigen Gewittern gab es erstmal keine Zunahmen mehr an den Stockwaagen unserer aufgestellten Versuchsvölker. Auch die jungen Maitriebe verholzten bereits, sodass die „Pilicornis“ nicht mehr an die Siebröhren kam. Seit letzter Woche gibt es ein Aufatmen: Die Grüne Tannenrindenlaus (Cinara pectinatae) ist vermehrt zu finden und honigt auch dementsprechend. Wer Trachtbeobachtungen durchführt, kann also herausfinden, ob der wertvolle Tannenhonig am eigenen Wanderplatz gewonnen werden kann und so gibt es für dieses Waldtrachtjahr zumindest ein kleines Happy End.

Kontakt zur Autorin: Victoria Seeburger
victoria.seeburger@uni-hohenheim.de

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Quelle:
http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_15.pdf