~Info-Brief 08-2017

für die 19. KW
05. Mai 2017

Was ist zu tun:

  • Schwarmkontrollen im 8 – Tage Rhythmus
  • vorbeugend Völker schröpfen um Schwarmtrieb zu dämpfen
  • Königinnenaufzucht von den besten Völkern, ggf. Zuchtkurs belegen
  • Bildung von Ablegern

Am Bienenstand
Veitshoechheim (JF) Trotz oder gerade wegen der ungünstigen Witterung der letzten Tage und Wochen sind die Schwarmkontrollen unerlässlich (siehe hierzu auch Infobrief 2017_07). Durch die kühle Witterung reduziert die Königin häufig die Legetätigkeit. Die Folge ist ein geringerer Umfang der offenen Brut, die 3 Wochen zuvor angelegte Brut schlüpft jedoch und ist zur Untätigkeit verdammt. Dieses Ungleichgewicht zwischen Ammenbienen und offener Brut führt häufig zur Schwarmstimmung.
Um die Schwarmstimmung zu reduzieren bietet sich die Entnahme möglichst gedeckelter Brutwaben mit ansitzenden Bienen an. Diese werden zu Sammelbrutablegern zusammengestellt, mit Futterwaben versehen und ggf. noch mit Bienen verstärkt. Entweder zieht sich der Sammelbrutableger selber eine Königin oder man gibt bereits Weiselzellen/Schwarmzellen (offen!) mit dazu.

Gezielte Aufzucht von Königinnen
Besser ist jedoch die Nutzung des Sammelbrutablegers zur gezielten Aufzucht von Königinnen aus dem besten Volk. Hierzu wird der Sammelbrutableger idealerweise außerhalb des Flugkreises aufgestellt. Nach 9Tagen werden alle Nachschaffungszellen ausgebrochen. Dazu unbedingt den Großteil der Bienen abstoßen, um jede Nachschaffungszelle zu erkennen. Ein belarvter Zuchtrahmen wird dann in eine freie Wabengasse gehängt. Umgelarvt wird von den besten Völkern (sanftmütig, gesund, vital und leistungsfähig). Sollte man selbst kein entsprechendes Volk am Stand haben, bieten sich die Umlarvtage der Vereine, Lehrbienenstände oder auch Belegstellen an, um gutes Zuchtmaterial zu bekommen. Das Umlarven lässt sich am besten bei den angebotenen Zuchtkursen erlernen.
10Tage nach dem Umlarven (=2Tage vor dem Schlupftermin) wird der Sammelbrutableger in kleine Begattungsableger aufgeteilt. Hierzu verwendet man die Waben des Sammelbrutablegers und versieht sie jeweils mit einer schlupfreifen Weiselzelle. Die schlupfreifen Weiselzellen werden vorsichtig auf eine Brutwabe gedrückt, die Zelle darf dabei nicht beschädigt werden. Bei Bedarf werden weitere Waben von anderen Wirtschaftsvölkern mitverwendet. Zusätzlich je Begattungseinheit eine Futterwabe hinzuhängen. Sollen die Königinnen dagegen auf Belegstellen begattet werden, versieht man sie 10Tage nach dem Umlarven mit Schlüpfkäfigen und verarbeitet die Königinnen nach dem Schlupf in spezielle Begattungskästchen.

Bildung von Jungvölkern
Die Jungvolkbildung ist für eine erfolgreiche Imkerei unverzichtbar. Völkerverluste werden dadurch reduziert, die Vitalität der Altvölker verbessert und eine Selektion der besten Völker ermöglicht.
Die Einweiselung einer jungen Königin gelingt in einem Jungvolk besser und die Beurteilung einer Königin ist bereits im Jungvolk möglich. Zur Bildung von Jungvölkern können Brutableger und Kunstschwärme gebildet werden. Es gibt dazu verschiedene Variationen dieser beiden Grundprinzipien.
Für die Bildung von Brutwabenablegern werden 2-3 Brutwaben mit ansitzenden Bienen sowie Futterwaben zusammengestellt. Gegebenenfalls werden noch Bienen von weiteren Waben dazugestoßen. Unbedingt vermeiden, dass die Königin in den Ableger gelangt. Bei gleichem Wabenmaß in Brut- und Honigraum können die Brutwaben zuerst abgestoßen werden und dann für einige Stunden in den Honigraum über Absperrgitter gehängt werden. Erst dann werden sie zur Ablegerbildung entnommen. Damit kann sichergestellt werden, dass die Königin im Altvolk verbleibt. Bei kühlerer Witterung, wie sie derzeit herrscht, unbedingt auf guten Bienenbesatz und Volksstärke des Ablegers achten.
In der einfachsten Form muss der Ableger sich selber eine Königin ziehen. Allerdings ist dies auch die schlechteste Form, da häufig sog. Notköniginnen aus älteren Maden zum Schlupf kommen. Besser ist es, den Ableger entweder mit einer schlupfreifen Weiselzelle aus gezielter Aufzucht (siehe oben) oder einer bereits geschlüpften Königin (unbegattet oder begattet) zu beweiseln.
Beim Zusetzen bereits geschlüpfter Königinnen dürfen die verwendeten Brutwaben keine offene Brut mehr enthalten. Dies erreicht man, wenn Brutwaben 9 Tage vorher über Absperrgitter in den Honigraum gehängt werden. Die Königinnen werden dann im Zusetzkäfig unter Futterteigverschluss zwischen die Brutwaben gehängt. Der Ableger sollte die nächsten 10 Tage in Ruhe gelassen werden.

Pflege der Jungvölker
Bereits erstellte Ableger müssen natürlich ständig betreut werden. Ein ständiger Futterstrom muss sichergestellt sein. Hierfür eignen sich Futterteige, Flüssigfutter oder auch Futterwaben. Immer erst am Abend füttern und Flüssigfutter erst dann verabreichen, wenn der Ableger sich gefestigt hat. Wächst der Ableger, wird nur mit Mittelwänden erweitert. Das ergibt einen gesunden hygienischen Wabenbau. Ableger mit junger Königin bauen auch Naturbauwaben gut aus, wenn die Futterversorgung gewährleistet ist. Flüssigfutter ist hier besser geeignet.
Unbedingt sollte ein eigener Ablegerstand zur Verfügung stehen. Dieser muss außerhalb des Flugradius (3 km) der anderen Völker sein. Die Ableger verlieren dadurch nach der Bildung keine Bienen durch den Rückflug zu den Muttervölkern, die Gefahr der Räuberei wird vermindert und eine spätere Vereinigung mit Wirtschaftsvölkern wird ebenfalls erleichtert.
Die Ablegerbildung mit Brutwaben entnimmt den Muttervölkern neben der Brut auch die darin enthaltenen Varroamilben. Deshalb sollte der Ableger frühzeitig entmilbt werden. Zieht der Ableger seine Königin selbst, dann ist in der Regel sämtliche Brut geschlüpft, bevor die Brut der jungen Königin gedeckelt wird. In dieser Phase kann der Ableger idealerweise mit der Milchsäure 15% ad us. vet. behandelt werden. Bei Ablegern, denen die Königin zugesetzt wird, fehlt diese Phase ohne gedeckelte Brut, deshalb erfolgt eine Varroabehandlung mit Ameisensäure 60% ad us. vet., idealerweise nachdem bereits die erste Brut der jungen Königin schlüpft (ab ca. 4Wochen nach der Bildung).
Zur Bildung von Kunstschwärmen werden nur die Bienen (auch von mehreren Völkern) in eine Kunstschwarmkiste (ausreichende Lüftungsmöglichkeit!) zusammengefegt. Hierzu sind die Bienen aus dem Honigraum aufgrund der Zusammensetzung ideal. Deshalb kann die Kunstschwarmbildung durchaus gut mit der Honigernte kombiniert werden. Kunstschwärme können nur mit Königinnen beweiselt werden. Die Königin wird nach Eintreten der Weiselunruhe (ca. 2h) in einem fest verschlossenen Zusetzkäfig in den Kunstschwarm gehängt. Der beweiselte Kunstschwarm wird dann kühler und dunkel aufgestellt (Kellerhaft) und mit Futter versorgt. Nach 2-3 Tagen wird er ähnlich wie ein Naturschwarm in eine Beute mit Mittelwänden oder Rähmchen mit Anfangsstreifen eingeschlagen. Dabei wird der Festverschluss des Zusetzkäfigs durch einen Futterteigverschluss ersetzt. Die Vorteile des Kunstschwarms liegen darin, dass keine Vorbereitungszeit notwendig ist, die Königin nahezu hundertprozentig angenommen wird und keine alten Brutwaben in die Jungvölker kommen. Ein weiterer Vorteil liegt in der vollständigen Erneuerung des Wabenbaus, weshalb der Kunstschwarm sowohl bei der Sanierung im Seuchenfall als auch bei Umstellung der Imkerei (z.B. für Biozertifizierung) zum Einsatz kommt.
Kontakt zum Autor: Johann.Fischer@lwg.bayern.de

ACHTUNG! Futternot statt Frühtracht
Hohen-Neuendorf (jr) Aufgrund der anhaltend kühlen Witterung konnten wichtige Frühtrachten wie Ahorn, Obst und Löwenzahn zumindest im Nordosten Deutschlands von den Bienen nicht oder nur unzureichend genutzt werden. Die Blüten von Steinobst sind regional sogar flächendeckend erfroren. Dennoch haben sich die Völker rasant entwickelt, außergewöhnlich viel Futter verbraucht und verbrauchen es immer noch – sofern überhaupt noch Vorräte vorhanden sind. Manch erwartungsfroher Imker wurde von Stagnation über Bienenschwund und Brutstopp bis hin zu leeren Kästen überrascht, weil die Völker hungern bzw. verhungert sind. Futterkontrollen sind in diesem ausgesprochen kühlen Frühjahr dringend geboten. Zwar wird die Temperatur am Wochenende ansteigen, aber von Montag bis Freitag wieder deutlich unter 16 °C fallen. Besser werden die Aussichten erst ab 13.05. – allerdings kaum für rapsferne Standorte. Und selbst die noch ferne Robinie-Blüte lässt aufgrund von Frostschäden wenig Hoffnung aufkommen. Wo das Futter also knapp wird (kein Honigvorrat, keine Futterkränze auf den Brutwaben und weniger als 5 kg Futter in den Randwaben) muss gefüttert werden! Gleiches gilt für jene Imker, die unter diesen widrigen Umständen bereits Ableger gebildet haben. Bei der Kontrolle des Futterstandes müssen jedoch nicht alle Waben gezogen und nach den letzten Futterresten abgesucht werden, sondern der Bereich der eigentlichen Honigglocke über dem und um das Brutnest genügt für eine flüchtige Kontrolle. In anstehende Scharmkontrollen wird die Kontrolle der Futterreserve selbstverständlich integriert. Sollte der Vorrat knapp sein, muss bei klein gehaltenem Flugloch (Räubereigefahr!) kräftig gefüttert werden: 5 l Zuckerlösung 3:2 (3 kg Zucker auf 2 Liter Wasser) oder eine entsprechende Menge Fertigfutterlösung bringen wieder Leben in den Kasten. Gut beraten ist, wer schnell aus Vorräten schöpfen kann. Nach 3-4 Tagen muss ggf. nochmals gefüttert werden, um eine kleine Reserve in den Völkern zu schaffen. Wer erwartungsvoll Honigräume aufgesetzt hatte, wird sie in dieser Situation leer vorfinden und nimmt sie selbstverständlich herunter, damit hier kein Futter eingelagert wird.
Kontakt zum Autor: jens.radtke@rz.hu-berlin.de

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