~Info-Brief 07-2018

für die 18. KW
04. Mai 2018

Was zu tun ist:

  • Regelmäßige Schwarmkontrolle
  • Schwarmvorbeugung durch Schröpfen
  • Gezielte Aufzucht von Königinnen guter Abstammung

 Am Bienenstand – Mai, Zeit der Vermehrung

Veitshöchheim (jf) Mai = Schwarmzeit. Das Frühjahr ist rasant gestartet – in vielen Regionen wurde im April bereits die 30°C überschritten. Die ersten Völker sind durch den Trachteintrag und die gute Völkerentwicklung in Schwarmstimmung. Eine Schwarmkontrolle in regelmäßigen Abständen (8Tage) ist daher jetzt vonnöten. Der Nektareintrag führt zu einer Verknappung an Leerzellen für die Eiablage. Die Folge ist ein Ungleichgewicht an Jungbienen (Ammenbienen) und offener Brut, was letztendlich zum Schwarmtrieb führt. In einer guten imkerlichen Praxis sollte man diesen Schwarmtrieb jedoch nicht einfach laufen lassen. Jeder Schwarm, der nicht in imkerliche Obhut gelangt, geht früher oder später an Varroa und/oder Futtermangel zugrunde. Eine regelmäßige Schwarmkontrolle und geeignete Maßnahmen zur Schwarmverhinderung sind unerlässlich. Eine bewährte Methode besteht darin, Völkern in Schwarmstimmung einige Brutwaben mit ansitzenden Bienen zu entnehmen und somit den Schwarmtrieb sinnvoll zu nutzen. Zu den Brutwaben werden noch 1-2 Futterwaben gegeben und ggf. noch weitere Bienen aus dem Honigraum dazugestoßen. Es sollte mindestens noch eine Schwarmzelle nicht gedeckelt sein. In der gedeckelten Phase sind die Zellen ab dem zweiten Tag bis zum sechsten Tag stoßempfindlich, das Hantieren damit kann dazu führen, dass die Puppe abrutscht und sich nicht mehr weiterentwickelt. Neben häufig verwendeten Ablegerkästen kann solch ein Ableger auch direkt in eine normale Beute einlogiert werden. Es entfällt dann später das Umsetzen aus dem Ablegerkasten in eine normale Beute. Die Fluglochgröße der Volksstärke anpassen. Die Nutzung der Schwarmzellen zur Ablegerbildung ist zwar sehr einfach und effektiv, allerdings nimmt der Schwarmtrieb von Generation zu Generation zu. Gegebenenfalls deshalb die Schwarmkönigin später im Jahr durch eine selektierte Königin ersetzen.

 

Schwarmvorbeugung und gezielte Königinnenaufzucht

Um die Schwarmstimmung zu reduzieren bietet sich die Entnahme möglichst gedeckelter Brutwaben mit ansitzenden Bienen vor Auftreten des Schwarmtriebes an. Diese werden zu Sammelbrutablegern zusammengestellt, mit Futterwaben versehen und ggf. noch mit Bienen verstärkt. Der Sammelbrutableger zieht sich entweder selber eine Königin oder man gibt bereits Weiselzellen/Schwarmzellen (offen!) mit dazu. Ein solcher Sammelbrutableger kann jedoch auch zur gezielten Aufzucht von Königinnen aus dem besten Volk genutzt werden. Hierzu wird der Sammelbrutableger idealerweise außerhalb des Flugkreises aufgestellt. Nach 9 Tagen werden alle Nachschaffungszellen ausgebrochen. Dazu unbedingt den Großteil der Bienen abstoßen, um jede Nachschaffungszelle zu erkennen. Ein belarvter Zuchtrahmen wird dann in eine freie Wabengasse gehängt.

 

Guten Zuchtstoff auswählen!

Umgelarvt wird von den besten Völkern des Standes. Grundlage für die Auswahl eines Zuchtvolks sollten immer überdurchschnittliche Eigenschaften sein. Dies betrifft die Verhaltenseigenschaften (Sanftmut, Wabensitz, Schwarmtrieb), die Leistung (Honigertrag) aber auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten (Varroose). Sollte man selbst kein entsprechendes Volk am Stand haben, bieten sich die Umlarvtage der Vereine, Lehrbienenstände oder auch Belegstellen an, um gutes Zuchtmaterial zu bekommen. Das Umlarven lässt sich am besten bei den angebotenen Zuchtkursen erlernen. Vielfach wird bei den Umlarvterminen als Service der Zuchtrahmen von erfahrenen Züchtern belarvt. Als Orientierung sollte mindestens die dreifache Menge an Näpfchen belarvt werden, wie später fertige Königinnen benötigt werden.

 

Bildung von Begattungsablegern

10 Tage nach dem Umlarven (= 2 Tage vor dem Schlupftermin) wird der Sammelbrutableger in kleine Begattungsableger aufgeteilt. Hierzu verwendet man die Waben des Sammelbrutablegers und versieht sie jeweils mit einer schlupfreifen Weiselzelle. Die schlupfreifen Weiselzellen werden vorsichtig auf eine Brutwabe gedrückt, die Zelle darf dabei nicht beschädigt werden. Bei Bedarf werden weitere Waben von anderen Wirtschaftsvölkern mitverwendet. Zusätzlich je Begattungseinheit eine Futterwabe hinzuhängen. Geschlüpfte Jungköniginnen werden wenige Tage nach dem Schlupf paarungsreif. Dann versuchen sie bei günstiger und warmer Witterung ihren Hochzeitsflug zu unternehmen. In der Regel finden diese am frühen Nachmittag statt. Die Jungköniginnen können dabei auch mehrmals ausfliegen. Die eigentliche Begattung findet dann im Flug statt. Sie verpaart sich dabei mit ca. 15-25 Drohnen. Diese Mehrfachpaarung verhindert dass Inzucht auftritt. Allerdings bewirkt die Mehrfachpaarung, dass bereits ein Drohn mit schlechten Eigenschaften (z.B. Aggressivität) zur Folge hat, dass das ganze Volk als aggressiv empfunden wird. Deshalb ist die Qualität der Paarung sehr stark von dem Bienenmaterial in Umkreis von ca. 5-7 km abhängig.

 

Drohnen sind wichtig!

Neben der genetischen Qualität spielt bei der Paarung auch die körperliche Qualität der Drohnen eine Rolle, denn bei Schlechtwetterphasen werden Drohnen vom Volk schlechter gepflegt. Dies hat zur Folge, dass sie nicht paarungsfähig sind, obwohl sie das entsprechende Alter haben. Jungköniginnen werden in solchen Phasen deshalb schlechter begattet oder gehen häufiger bei den Begattungsausflügen verloren. Schlecht begattete Königinnen werden oft noch im Herbst vom Volk umgeweiselt. In Jahren mit ungünstiger Witterung und schlechter Tracht zur Paarungszeit sind deshalb die Ausfälle an Königinnen infolge dessen erhöht.

 

Gezielte Anpaarung auf Belegstellen

Sollte eine Standbegattung verstärkt Völker mit unangenehmen Eigenschaften zur Folge haben, dann ist die Anpaarung auf Belegstellen sinnvoll. Belegstellen sind Gebiete mit definiertem Bienenmaterial in der Umgebung. In einigen Bundesländern, wie z.B. in Bayern besteht sogar ein gesetzlicher Schutz für den Belegstellenschutzkreis. Auf den Belegstellen werden Nachkommen von hochwertigen Zuchtvölkern aufgestellt, die als Drohnenlieferanten dienen. Diese Völker werden so geführt, dass sie viele Drohnen aufziehen und von der Honig- und Pollenversorgung auch in der Lage sind, diese optimal zu versorgen. Für die Belegstellenbeschickungen werden die Königinnenzellen in den Pflegevölkern 10 Tage nach dem Umlarven mit Schlüpfkäfigen versehen. Nach dem Schlupf kommen die Jungköniginnen in spezielle Begattungseinheiten (Mehrwabenkästchen oder Einwabenkästchen) die mit drohnenfreien Bienen gebildet wurden, auf die Belegstelle. Die Begattungsvölkchen werden ab dem dritten Tag nach dem Schlupf der Königin aufgestellt und verbleiben in der Regel ca. 14 Tage auf der Belegstelle. Bei günstiger Witterung sind die Jungköniginnen in der Regel in dieser Zeit begattet. Normalerweise werden ca. 80% der aufgestellten Königinnen auf der Belegstelle begattet.

 

Zucht und Selektion

Zur Aufzucht von Königinnen gibt es neben dem Sammelbrutableger noch weitere Methoden, die am besten über einen Zuchtkurs in der Region erlernt werden können. Eine gezielte Aufzucht von Königinnen ermöglicht eine Selektion zu einer vitalen, gesunden, sanftmütigen und leistungsfähigen Biene. Von dieser Selektion profitieren auch alle anderen Bienenstände in der Umgebung, da diese Eigenschaften über die Drohnen weitergegeben werden. Durch eine gezielte Königinnenzucht stehen in der Regel auch genügend Königinnen zur Verfügung um alle Völker, die nicht befriedigen (Eigenschaften, Leistung etc.) umweiseln zu können. Überschüssige Königinnen sind in der Regel auch problemlos bei den Nachbarimkern anzubringen.

Kontakt zum Autor: Johann Fischer
Staatlicher Fachberater für Bienenzucht für den Regierungsbezirk Schwaben
Bay. Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau;
Institut f. Bienenkunde und Imkerei
Höfatsstraße 23-25
87600 Kaufbeuren

 

Spendenaufruf

Wenn Sie mit unserer Arbeit zufrieden sind, würden wir uns über eine finanzielle Unterstützung freuen. Fachzentrum Bienen und Imkerei

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Kennwort: Infobrief

Aber auch die Konten der Fördervereine nehmen Spenden gerne an: Spenden an Apis e.V. Verein zur Förderung der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer NRW

Übersicht über neue Faulbrutmeldungen

http://tsis.fli.bund.de

Blühphasenmonitoring

http://bienenkunde.rlp.de/

Varroawetter

www.varroawetter.de

 

Quelle:

http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_07.pdf