~Info-Brief 06-2018

für die 17. KW
27. April 2018

Was zu tun ist:

  • Flugloch auf maximale Größe bringen
  • Drohnenrahmen schneiden
  • Erweitern
  • Schwarmkontrolle
  • Ablegerbildung
  • Königinnenvermehrung

 Am Bienenstand

Kirchhain (cd) Es blüht wie „verrückt“, doch leider honigt es nicht wie „verrückt“. Von Kirsche bis Raps steht alles in der Blüte und die Bienen haben ein überwältigendes Angebot. In vielen Regionen Deutschlands ist es aber noch zu trocken. Pflanzen unter Trockenstress können nur wenig Nektar absondern. Daher hinkt der Nektareintrag noch hinter den Erwartungen her. Hoffentlich ändert sich das noch. Dafür ist die Pollenversorgung umso besser. Die Völker „schwimmen“ im Pollen und die Brutnester sind regelrecht „verpollt“. Das könnte noch zum Problem werden. Nektar, der im Brutnestbereich eingelagert wird, wird auch wieder umgelagert, um Platz für das wachsende Brutnest zu schaffen. Pollen wird nicht umgetragen, Pollen wird nur verbraucht. Nur wenig kann den Schwarmtrieb so gut anheizen, wie zu viel Pollen im Brutraum. Da kann auch großzügiges erweitern nur bedingt helfen. Die Pollenbretter müssen raus.

 

Die Schwärme drin lassen.

Die Schwarmimkerei ist nicht mehr zeitgemäß. Und das aus gutem Grund:

Den Schwarm zu fangen ist zeitintensiv und nicht immer ungefährlich. Außerdem sind Sie bei „der Abreise“ selten dabei und die Bienen entkommen meist unentdeckt. Fast jeder nicht gefangene Schwarm wird noch vor dem Winter verenden. Die Königin und mehrere tausend Bienen verlassen den Stock und sorgen dafür, dass das Altvolk vorerst für die Honigproduktion ausfällt. Selbstverständlich entspricht das Schwärmen „dem Wesen“ der Bienen. Es ist die in Tausenden von Jahren entwickelte Verbreitungs- und Vermehrungsstrategie. Wir können noch sehr viel von Schwärmen und natürlich lebenden Bienenvölkern lernen. Beispielsweise lassen sich neue Strategien bei der Varroabkämpfung ableiten. Dazu im Sommer-Infobrief mehr. Trotzdem sind wir Tierhalter und stehen in der Verantwortung für unsere Bienen. In unsere stark veränderte Umwelt passen leider keine Massen an ausgebüchsten Schwärmen mehr.

 

Kippen oder ziehen?

Im geteilten Brutraum kann besonders schnell und einfach durch die Kippkontrolle die beginnende Schwarmlust festgestellt werden. Vorausgesetzt das Hauptbrutnest befindet sich in der oberen Zarge. Dies ist in der Regel der Fall, wenn die hochgekippte Zarge prall gefüllt mit Bienen, aber trotzdem leicht ist. Ist die obere Kiste schwer und verhonigt, dann wurde oft ein Fehler in der Völkerführung gemacht und Ihnen ist ein schwarmtriebiges Volk sicher. Im ungeteilten Brutraum, wie Dadant werden stellvertretend der Drohnenrahmen und zwei Brutwaben auf Schwarmzellen kontrolliert.

 

Der Drohnenrahmen

ist ein gutes „Schwarmbarometer“. Wird der Baurahmen zügig und in einer geschlossenen Baulinie ausgebaut, dann ist in der Regel alles in Ordnung. Wird er nur zögerlich angenommen, bricht die Baulinie zusammen und wird er girlandenartig ausgebaut, haben die Bienen Schwarmfieber“. Der Drohnenrahmen ist außerdem eine gute Varroafalle. Durch regelmäßiges Entfernen verdeckelter Drohnenbrut können Sie die Vermehrung der Varroa-Milbe dämpfen. Wer die Drohnenbrut nicht als Varroafalle nutzt, kann im Spätsommer doppelt so viele Milben in seinen Völkern haben.

 

Vitale Bienenvölker wollen irgendwann schwärmen.

Die Ursachen der Schwarmlust sind vielfältig. Die erbliche Veranlagung, Raumnot und „Arbeitslosigkeit“ gelten als abgesicherte Faktoren. Manches ist aber schlicht Imkerlatein – wie das Alter der Königin oder die Sonneneinstrahlung auf das Flugloch. Der Schwarmtrieb tritt bei einem starken Bienenvolk in der Regel im Laufe des Frühjahrs ein. Er lässt sich aber hinauszögern und minimieren. Geben Sie rechtzeitig Platz und erweitern Sie vorauseilend. Lassen Sie die Bienen viel bauen und fördern Sie die brutraumferne Honigeinlagerung. Moderates Schröpfen durch die Entnahme von einer Brutwabe führt zu keinen großen Leistungseinbußen, kann aber ein im Schwarmdusel befindliches Volk wieder „auf die Spur“ bringen, oder es erst gar nicht dazu kommen lassen. Sofort handeln sobald die erste Weiselzelle bestiftet ist. Das Volk ist in Schwarmstimmung und will ausbüchsen. Zellenbrechen im Wochenrhythmus ist angesagt. Jede Wabe wird gezogen, abgeschüttelt und auf Schwarmzellen abgesucht und zerstört. Hört sich kompliziert an, dauert aber mit etwas Übung nur fünf Minuten pro Volk. Besonders schnell geht das Zellenbrechen in der Dadant-Beute. Diese Methode hat den geringsten Einfluss auf den Honigertrag. Lassen sich die Völker damit nicht „im Zaum halten“, dann müssen Sie das Volk stärker manipulieren. Starkes Schröpfen durch Entfernen von mehreren Brutwaben reduziert nicht nur den Schwarmtrieb, sondern leider auch den Honigertrag. Der Zwischenbodenableger reduziert den Honigertrag weniger und ist deshalb besser.

 

Ablegerbildung integrieren

Ein Anfang Mai erstellter Ableger aus einer Wabe schafft es, eine gute Königin und konstanten Futterstrom vorausgesetzt, problemlos zu einem starken Volk eingewintert zu werden. Das moderate Schröpfen ist im geteilten Brutraum durch das stärker zergliederte Brutnest einfach. Etwas schwieriger ist es im ungeteilten Brutnest, vor allem, wenn durch ein Schied das Brutnest sehr kompakt gehalten wurde. Ein „Brutbrett“ einer Dadantwabe (entspricht ca. 8000 Brutzellen) hat nichts mehr mit moderatem Schröpfen zu tun. Ein „Brutbrett“ schränkt neben dem Schwarmtrieb dann später auch die Honigleistung ein. Eine etwas schwächere Brut-PollenFutterwabe ist zur Ablegerbildung besser geeignet.

 

Die „Rennpferde“ für das kommende Jahr

Ein Jungvolk auf neuem Wabenbau mit einer jungen Königin aus leistungsgeprüfter Nachzucht macht Ihnen das Imkern im kommenden Jahr leicht. Hier stimmt die Voraussetzung zur problemlosen Überwinterung und zu einem guten Honigertrag. Wer den Schwarmtrieb unterbindet muss selber für die Vermehrung sorgen. Jetzt geht es bereits los …

Kontakt zum Autor: Christian Dreher E-Mail: christian.dreher@llh.hessen.de

 

Spendenaufruf

Wenn Sie mit unserer Arbeit zufrieden sind, würden wir uns über eine finanzielle Unterstützung freuen. Fachzentrum Bienen und Imkerei
Kreissparkasse Mayen BLZ: 576 500 10 Konto Nr.: 98029465
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Kennwort: Infobrief

Aber auch die Konten der Fördervereine nehmen Spenden gerne an: Spenden an Apis e.V. Verein zur Förderung der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer NRW

Übersicht über neue Faulbrutmeldungen
http://tsis.fli.bund.de

Blühphasenmonitoring
http://bienenkunde.rlp.de/

Varroawetter
www.varroawetter.de

Quelle:
http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_06.pdf