~ Info-Brief 06-2017

für die 17. KW
21. April 2017

Was ist zu tun:

  • Schwarmkontrolle
  • Drohnenschnitt
  • Zweite Erweiterung (nach Bedarf)
  • Jungvolkbildung planen

Am Bienenstand

Freiburg (bb) Die Äpfel stehen am südlichen Oberrhein in Vollblüte. Der Raps blüht in der Rheinebene seit ca. zwei Wochen, auch in höheren Lagen beginnt die Blüte.
Da die Nächte und die Lufttemperatur durch den Kälteeinbruch noch kalt sind, sitzen die Bienen noch kompakt im Brutnest, lagern dort Nektar ein. Es schlüpfen nun viele Bienen und es wird –sofern noch nicht geschehen – allerhöchste Zeit, im Brutnest Platz zu schaffen. Überschüssige Futterwaben sind bis auf eine Mindestreserve von zwei vollen Futterwaben zu entfernen und gegen Mittelwände auszutauschen. Die beiden Drohnenrahmen können nun am Rand des Brutnestes vorzugsweise als vorletzte Wabe eingehängt werden. Bei einräumigem Brutnest nimmt man einen senkrecht geteilten Drohnenrahmen und entfernt ebenfalls im Wechsel. Setzen Sie auch den Honigraum auf, um das Brutnest frei von Honigeinlagerung zu lassen, dies beugt frühzeitig Schwarmtendenzen vor. Der Honigraum sollte mindestens drei ausgebaute helle Waben und Mittelwände enthalten. Wenn bei kaltem Wetter viel Brut schlüpft und es im Brutnest eng wird begünstigt das die Schwarmneigung, weshalb Sie nun im Wochenabstand auf bestiftete oder belarvte Schwarmzellen kontrollieren sollten. Terminieren Sie rechtzeitig die Jungvolkbildung und nutzen Sie die brutfreie Phase nach 24–28 Tagen zur Entmilbung.

Varroamilben lieben Drohnen! – Biologie beim ursprünglichen Wirt
In ihrem ursprünglichen Wirt, der asiatischen Honigbiene (Apis cerana), kann sich die Varroamilbe ausschließlich in der Drohnenbrut vermehren. Sie ist dort wunderbar geschützt, weil die Drohnenzellen besonders gut versponnen sind und von Arbeiterinnen nicht geöffnet werden. Deshalb haben diese Zellen sogar ein extra Luftloch, das aber so klein ist, dass keine Milbe hindurchpasst. Nur die Drohnen öffnen von innen die Zelle. Von der Milbe befallene Arbeiterbrut der Apis cerana, wird geöffnet und die Milbe entfernt, so dass sie sich dort nicht vermehren kann. Drohnenbrut bei der Cerana wird phasenweise und nicht dauerhaft angelegt. Drohnen, in deren Zellen sich mehrere Milben befinden, sind so stark geschädigt, dass sie nicht mehr schlüpfen. Pech für die Milben: Die darin befindlichen Milben bleiben eingesperrt und verenden. Drohnenverluste sind für ein Volk im Gegensatz zu Arbeiterinnenverlusten leicht zu verkraften. Die ausgeprägte Bruthygiene, das gegenseitige Putzen und die eingeschränkte Vermehrungsmöglichkeit der Milben, führen zu einem ausgeglichenen Wirt-Parasiten-Verhältnis. Die Cerana hat mit Varroamilben keine Probleme.
Ganz anders unsere heimische westliche Honigbiene Apis mellifera mit ihren Unterarten. Bei unseren Honigbienen werden auch die Arbeiterinnenzellen befallen. Wenngleich dort je Zyklus im Schnitt „nur“ 1,2 Tochtermilben entstehen, reicht das doch zu einer Verdoppelung je Brutmonat. Schließlich vermehrt sich nicht nur die junge Milbe weiter, sondern auch die „Alte“ nochmals vier bis fünfmal. In der Drohnenbrutzelle reicht die Zeit sogar, dass zwischen 1,7 bis 2,2 junge Milben reifen können. Auch wird die Drohnenbrut stärker von Milben befallen. Vielleicht auch deswegen, weil Drohnenbrut häufiger von den Arbeiterinnen zur Fütterung der Larven aufgesucht wird. So sind die Chancen, in eine Zelle mit Rundmaden kurz vor dem Verdeckeln einzudringen, für Milben recht hoch.
Völker mit ungebremster Drohnenvermehrung weisen daher auch eine deutlich rasante Milbenentwicklung auf.

Drohnenbrutschnitt bremst Milbenvermehrung!
Die Bevorzugung von Drohnenbrut durch die Varroen und der für das Volk unproblematische „Aderlass“ wird bei der Drohnenbrutentnahme genutzt, um die Vermehrung der Milben auszubremsen. Bekanntermaßen werden bei konsequenter Entfernung verdeckelter Drohnenbrut viele Varroamilben mit entfernt. Der Milbenzuwachs ist so um 20 bis 50 % reduziert. Als Imker hat man somit einen Monat mehr „Luft“, bis es kritisch werden kann. Wer die unbegründete Sorge hat, dass zu wenige Drohnen in der Umgebung vorhanden sind, kann den allerersten, sehr früh eingehängten Drohnenrahmen schlüpfen lassen. Dafür sind aber im Gegenzug die nächstfolgenden Drohnenrahmen umso konsequenter und zeitgerecht vor dem Schlupf zu entfernen!

Entnommene Drohnenbrut, was tun?
Drohnenrahmen müssen bienenunzugänglich aufbewahrt und dürfen keinesfalls zum Auspicken aufgehängt werden! Andernfalls lockt man damit ständig Bienen aus der gesamten Umgebung an, fördert Räuberei und Krankheitsverbreitung und holt sich letztlich die Milben aus den aufgerissenen Zellen wieder ins Volk zurück.
Statt des Ausschneidens empfiehlt es sich, den ganzen Rahmen zu entnehmen und jeweils im Tausch gegen ein Leerrähmchen auszuwechseln. Warum? Die noch nicht verarbeitete Drohnenbrut lässt sich so ein paar Tage hängend an einem kühlen Ort aufbewahren, ohne dass die Waben verschimmeln. Tipp: Eine Folie oder ein Auffangbehälter für herausfallende Larven darunter legen.
Niemand macht es gerne und gleichwohl muss es sein: Die in den Drohnenzellen versteckten Milben lassen sich sinnvoll nur beseitigen, indem auch die Drohnenbrut mit eliminiert wird. Eine wirksame Wärmebehandlung gegen Milben in Drohnenbrut würde auch deren Spermien schaden. Ob sie die Drohnenbrut vorher einfrieren oder gleich einschmelzen, ist eine unter-geordnete Entscheidung. Schade wäre es jedoch um das darin enthaltene unbelastete Wachs, immerhin 50–60 g je Wabe.
Kostenfreie Energie nutzen Sie mit einem Sonnenwachsschmelzer. Ein 2-Waben-Schmelzer reicht schon mal für 4 Waben (zwei übereinander), darunter ein Metall-Absperrgitter oder ein Rost, dann sind die eingetrockneten Überreste abends schnell entfernt. Mit 2cm Hartschaumplatten allseitig isoliert, funktioniert er auch bei kühleren Temperaturen ab April. Für den „Durchschnittsimker“ mit 8Völkern reichen dann schon zwei Tage Sonnenschein und das Thema ist für die laufende Woche erledigt.
Die Sonne versteckt sich hinter Wolken? Ein umgewidmeter Edelstahl-Dampfentsafter geht ersatz-weise für 3-4 Völker. Allerdings braucht man dazu einen Raum, in dem sich niemand vom „Kartoffel-Dämpfer-Geruch“ gestört fühlt.
Wenn sie mehr Völker haben oder nicht auf launische Sonne angewiesen sein wollen, dann lässt sich mit einem elektrischen Dampferzeuger (Tapetenablösegerät), einem 60–120l Weithalsfass, einer Zeitschaltuhr und einem Getreidesack aus weißem PE-Bändchengewebe preisgünstig jederzeit Drohnenbrut schmelzen. Bauanleitungen finden Sie über Internet-Recherche (Dampfwachsschmelzer Selbstbau).
Kontakt zum Autor: Bruno.Binder-Koellhofer@rpf.bwl.de

 

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