~Info-Brief 05-2018

für die 16. KW
20. April 2018

Was zu tun ist:

  • Völkerkontrolle
  • Futterwaben entfernen
  • Raum geben
  • Drohenrahmen einsetzen
  • Wanderung vorbereiten
  • Schwarmkontrollen

Am Bienenstand

Stuttgart (tk) Achtung Explosionsgefahr! Die Vegetation wurde dieses Jahr durch die Witterung immer wieder ausgebremst – ebenso erging es unseren Bienenvölkern.

Hier im Süden explodiert gerade die Blüte – alles blüht nahezu auf einmal. Die Kirschblüte fällt fast komplett mit der Birnen- und Apfelblüte zusammen und der Raps gesellt sich seit ein paar Tagen auch dazu. Die für die nächsten Tage angesagten hohen Temperaturen werden diesen Vorgang zusätzlich beschleunigen.

Viele Völker hinken mit ihrer Entwicklung leider deutlich hinterher und werden wohl erst in den kommenden Tagen ebenfalls explodieren – da dürfte es an manchem Standort aber schon zu spät für ein gutes Sammelergebnis sein.

 

Drohnenrahmen

In anderen Jahren konnte man den Baurahmen schon im März problemlos geben – dieses Jahr war dies erst Wochen später der Fall. Den Baurahmen platziert man niemals im Brutnest, aber auch nicht ganz außen an der Zarge. Der ideale Platz ist am Rand des Brutnestes. Im Brutnest kann diese Störung bei ungünstiger Witterung zu Schäden in der Entwicklung des Volkes führen, und oder es wird Mischbau angelegt (d.h. Arbeiter- und Drohnenbrut durcheinander). Bewährt hat sich die „Position 2“ – neben der äußersten Wabe (Randwabe).

 

Warum sollte man unbedingt mit Baurahmen imkern?

Der Baurahmen erfüllt verschiedene Zwecke: Zum einen ist er ein guter Indikator, wie es dem Volk geht. Wird der Drohnenrahmen zügig und zusammenhängend ausgebaut ist alles in Ordnung und weitere Eingriffe ins Volk können vorgenommen werden – zum Beispiel die Erweiterung mit dem Honigraum. Der Baurahmen wird auch oft als Schwarmbarometer bezeichnet, da an ihm bevorzugt Schwarmzellen gebaut werden, sobald das Volk in Schwarmstimmung gerät. Weiterhin ermöglicht man den Bienen ihren Bautrieb zu befriedigen und vermeidet, dass die Bienen sich ihren Drohnenbau an unerwünschten Stellen errichten. Das kann Wildbau im Boden sein, oder auch in Form von umgebauten Arbeiterinnenzellen auf den Wabenflächen sein – beides erschwert die Arbeit für den Imker / die Imkerin.

Als Varroa-Falle hat sich der Baurahmen ebenfalls bewährt. Drohnenbrut ist für Varroa-Milben deutlich attraktiver als Arbeiterinnenbrut und wird daher bevorzugt zur Vermehrung aufgesucht. Der Drohnenrahmen kann daher auch sehr gut zur Befallsdiagnose genutzt werden, indem man den reifen Drohnenrahmen „köpft“. Dazu schneidet man die Zelldeckel mit einem langen Messer ab und klopft die Puppen, die möglichst das Rotaugenstadium erreicht haben sollten, aus den Waben auf eine helle Unterlage. Die Milben sind auf den weißen Puppen gut zu erkennen. Durch die Entnahme der verdeckelten Drohnenbrut lässt sich die Varroapopulation reduzieren, was sich in einem niedrigeren Befall im Spätsommer auswirkt. Diese Maßnahme ist besonders bei Völkern mit erhöhtem Befall dringend anzuraten und auch für Imker, die späte Trachten (z.B. Tannen- oder Heidetracht) nutzen wollen. Zurzeit schreitet die Entwicklung der Bienenvölker weitaus rascher voran als die der Varroamilben. Völker, die es bisher geschafft haben, kommen auch jetzt problemlos mit der Milbe zurecht. Diese Situation kann aber bei stärker befallenen Völkern bereits im Juni kippen und zwingt dann zum Eingreifen in Form einer Notbehandlung während der Tracht! Nutzen Sie daher die Möglichkeit den Milbendruck durch die Drohnenentnahme zu reduzieren! Weitere Vorteile der Drohnenbrut-Entnahme sind eine Dämpfung des Schwarmtriebs und die Gewinnung von unbelastetem Bienenwachs.

 

Wohin mit der Drohnenbrut?

Ja, dieser Frage muss man sich stellen und hierfür eine praktikable und sinnvolle Antwort finden. Da in jeder Imkerei die Voraussetzungen unterschiedlich sind, gibt es keine Patentlösung. Diese proteinreiche Biomasse einfach in den Müll zu werfen, mag für den ein oder anderen die einzig praktikable Lösung sein, wobei diese sicherlich nicht die Beste ist. Wer die Möglichkeit hat, kann die Drohnen selbst verfüttern (Bienen dürfen nicht dran kommen) oder jemandem abgeben, der dafür Verwendung hat (Tierhalter, Tierhandlung, Reptilienzüchter, Angler, Zoo usw.). Wer will kann die Drohnen auch für sich selbst als Leckerbissen zubereiten – schmeckt wirklich gut, wenn richtig zubereitet und man sich nicht scheut, das auszuprobieren.

Zur Wachsgewinnung wird die Drohnenbrut entweder in einen Sonnen- oder Dampfwachsschmelzer gegeben. Beide Geräte haben wie immer Vor und Nachteile. Mit einem strom- bzw. gasfressenden Gerät sind größere Mengen schneller zu verarbeiten, was besonders bei der verderblichen Drohnenbrut von Vorteil ist. Der Sonnenwachsschmelzer kostet bei der Anschaffung, später im Betrieb aber nichts mehr. Spielt die Sonne nicht mit, kann das aber auch eine muffige Angelegenheit werden. Aus ethischen Gründen sollte bitte darauf geachtet werden, dass man dieses „ungeborene Leben“ nicht unnötig leiden lässt (schnell verwerten!). „Vergessene“ Drohnenwaben verströmen nach kurzer Zeit einen unangenehmen Aasgeruch und in geschlossenen Behältern kann es zu einer weiteren Explosion kommen, die im Gegensatz zu den eingangs erwähnten sehr unangenehm ist!

Kontakt zum Autor:
Thomas Kustermann
Ruppmannstr. 21
70562 Stuttgart
Telefon: 0711 90413307
E-Mail: thomas.kustermann@rps.bwl.de

 

Spendenaufruf

Wenn Sie mit unserer Arbeit zufrieden sind, würden wir uns über eine finanzielle Unterstützung freuen. Fachzentrum Bienen und Imkerei
Kreissparkasse Mayen BLZ: 576 500 10 Konto Nr.: 98029465BAN: DE25 5765 0010 0098 0294 65 – SWIFT-BIC: MALADE51MYN
Kennwort: Infobrief

Aber auch die Konten der Fördervereine nehmen Spenden gerne an: Spenden an Apis e.V. Verein zur Förderung der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer NRW

Übersicht über neue Faulbrutmeldungen
http://tsis.fli.bund.de

Blühphasenmonitoring
http://bienenkunde.rlp.de/

Varroawetter
www.varroawetter.de

Quelle:

http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/5B300A625864EBCEC1257FD5002FCF0D/$FILE/Infobrief_2018_05.pdf