~Info-Brief 03-2018

für die 13. und 14 KW
März 2018

Was zu tun ist:

  • Mäusegitter entfernen, sofern noch nicht geschehen
  • Bodenschieber einlegen bzw. reinigen
  • Frühjahrsdurchsicht vorbereiten und planen
  • Stockkarte bereit halten / sichten
  • Baurahmen, erste Mittelwände und Erweiterungszargen richten

 

Aktuelles

Frühjahrsdurchsicht Freiburg (bbk) Sicherlich haben Sie schon im Februar Ihre Völker kurz von außen kontrolliert und dabei ihre Völker von hinten angehoben und getestet, ob sie noch ausreichend schwer sind (Futtervorrat)?! Der Bodenschieber gibt ebenfalls eine brauchbare Diagnosemöglichkeit. Man erkennt dabei leicht die Anzahl besetzter Wabengassen, den Bienensitz u.a.m.. Pollensammlerinnen am Flugloch und Schwitzwasser unter der Abdeckfolie deuten Bruttätigkeit an. Besonders schwere oder sehr leichte Völker und Völker, deren „Bodenschieberbild“ Auffälligkeiten aufwiesen, merkten Sie sich für eine spätere Kontrolle vor.

Frühjahrsrevision – gründliche Durchsicht, Gesundheitscheck und Völkereinteilung

An einem sonnigen und milden Tag, bei regem Flugbetrieb, ist eine gründliche Frühjahrsdurchsicht möglich. Sie gibt Ihnen erste und sehr wichtige Hinweise für die gesamte Bienensaison. Bitte bedenken Sie jedoch, dass diese Kontrolle nicht bedeutet, dass jede Wabe zu ziehen und lange anzusehen ist! Arbeiten Sie zügig, aber mit Bedacht; schließlich ist auch an einem schönen Frühlingstag die Außentemperatur immer noch deutlich kühler als im Brutnest! Handeln Sie daher nach dem Motto: „Vor Beginn, dich besinn‘“; gehen Sie gut vorbereitet und planvoll vor und dokumentieren Sie die Kontrolle in der Stockkarte.

Das sollte man erkunden:

  • Futtervorrat,
  • Volksstärke (belagerte Waben/ Wabengassen
  • Brutwabenanzahl und Brutstadien
  • Auffälligkeiten auf Brutwaben
  • Totenfall
  • Gesundheitszustand.

Benötigt wird je Volk:

  • Ein Leerrähmchen (Baurahmen)
  • ein bis zwei helle unbebrütete Waben und/ oder Mittelwände

Zusätzlich:

  • Eine Leerzarge mit Boden und Deckel (für überschüssige Futterwaben)
  • eine Kelle o.ä. zum Entfernen von Totenfall
  • eine gekröpfte Pinzette
  • eine kleine, lichtstarke LED-Taschen -lampe
  • eventuell eine Lupe
  • das Stockkartenbuch
  • Stift und Kreide für kurze Notizen auf dem Kasten
  • ansonsten praktiziertes Gehirnjogging: Man übe sich darin, sich zu merken, was man je Zarge gesehen und im Kopf addiert hat und notiere das anschließend auf der Stockkarte…

Das sollte „nebenbei“ noch erledigt werden:

  • Totenfall entfernen
  • Bodenschieber reinigen
  • Brutsitzkorrektur*
  • Bei Mangel: Futterwaben* zugeben oder falls Vorrat ausreichend** (voll verdeckelte) Futterwaben gegen Mittelwände oder helle Waben ersetzen
  • (Weiteren) Baurahmen geben

*falls nötig

** Vorratsmenge muss bis mind. Ende April reichen(!) = mind. 6 kg = mind. 3 volle Futterwaben bzw. entsprechend dicke Futterkränze

Korrekturen erforderlich?

Das Brutnest bleibt im März unangetastet, so dass man insbesondere im zeitigen Frühjahr vermeidet, den Wärmehaushalt zu stören. Brut- oder Pollenwaben hängt man daher nicht um, an einen, aus Imkersicht, vermeintlich besseren Platz!

Ausnahme Brutsitzkorrektur: Sofern das Brutnest deutlich an der Seite sitzt, entnimmt man an der nicht bienenbesetzten Seite zwei bis drei Waben, rückt den Brutblock in die Mitte und hängt die entnommenen Waben auf die andere Seite. Pollenwaben müssen immer am Rand des Brutnestes bleiben, denn sie sind die kostbaren frischen Eiweißvorräte („Hüllwaben“)

Baurahmengabe: Sofern es in den Folgetagen kalt bleiben sollte und Sie erstmals einen Baurahmen einhängen, sollten sie diesen NICHT zwischen die Pollen- und nächste Brutwabe hängen, sondern zum Rand hin, zwischen der Pollen- und der nächsten Randwabe. Grund: Wegen des leeren Rähmchens benötigt das Volk ungleich mehr Bienen um den Wärmehaushalt auf der Brutwabe aufrecht zu halten. Positiver Nebeneffekt: Sobald im Leerrähmchen gebaut wird, also Drohnenbau entsteht, wird unweigerlich die Pollenwabe leer gefressen und diese zur Brutwabe umgestaltet. Die an der Drohnenbrutwabe befindliche Rand- wird dann zur Pollenwabe, so lässt sich das Brutnest einfach ausweiten. Falls das Volk schon das erste Baurähmchen zur Drohnenwabe ausgebaut hat, es also schon warm genug ist und / oder das Volk entsprechend stark, kann man bedenkenlos den zweiten Baurahmen zwischen einer Brut- und Pollenwabe einhängen, weil dann genügen Bienenmasse bzw. Wärme vorhanden ist.

Futtervorrat knapp? Fehlt dem Volk der Mindestvorrat von aktuell noch benötigten 6 kg und ist dies auch nicht in Futterkränzen vorhanden, hängt man von besser bevorrateten Völkern Futterwaben um.

Futterwaben entnehmen? Außer wenn man Platz benötigt zur Baurahmengabe, belässt man jetzt noch alle Vorräte. Momentan werden sowieso erst nur die Winter- gegen Frühjahrsbienen „ausgetauscht“. Die Völker wachsen noch nicht wirklich und benötigen seltenst jetzt schon Platz im Brutraum. Erst wenn mehrfach eine Nettozunahme ersichtlich ist, d.h. mehr Nektar eingetragen wird, als das Volk verbraucht (siehe Trachtnet: Zunahmen?) wird man überschüssige und dann die schwersten und voll verdeckelten Futterwaben entnehmen und gegen Mittelwände oder helle Waben austauschen. Das ist selten vor Mitte April. i.d.R. erst Ende April. Nur bei Völkern, die deutlich mehr als 6 kg Futtervorrat aufweisen, kann man jetzt schon den Überschuss entnehmen. Entnommene gedeckelte Futterwaben lagert man trocken und vor Wachsmotten geschützt, bspw. für die Ablegerbildung ein.

Volksstärke – Einschätzung der Entwicklung und Erleichterung der weiteren Arbeiten Durch die Ermittlung der Volksstärke lässt sich recht gut die weitere Entwicklung der Völker abschätzen und auch die weiteren Arbeitsschritte davon ableiten.

Sehr starke, vorausseilende Völker (Kategorie 4) belagern ca. 15 – 20 Waben und haben schon 10 – 12 Brutwaben. Bei diesen können Futter und Platz schnell knapp werden. Solche Völker muss man hinsichtlich des frühem Schwarmtriebs gut im Auge behalten und ggf. frühzeitig, bei ersten Anzeichen (Spielnäpfchen) bereits ein- bis zwei Brutwaben entnehmen (schröpfen).

Starke bis mittelstarke Völker (Kategorie 3 =Honigertragsvölker) sitzen auf 12 – 15 Waben und haben ca. 6 – 10 Brutwaben. Sobald merklich und dauerhaft Nektar eingetragen wird, entnehmen Sie den Futterüberschuss und schaffen Platz, belassen, jedoch immer einen Mindestvorrat von zwei vollen Futterwaben! Diese Völker sind am unproblematischsten und die „Leistungsträger“. Sie sollte man i.d.R. nicht schröpfen, auch nicht in der Schwarmzeit, sondern durch Raumgabe (im Brut- und Honigraum) während Schwarmzeit führen. Nur bei deutlichen Schwarmanzeichen (verdeckelte Schwarm- oder mit Larven versehenen Zellen) kann man mit dem Zwischenableger-Verfahren den Schwarmtrieb leicht und wirksam kanalisieren.

Schwächere, gesunde Völker (Kategorie 2): Sie belagern lediglich 8 – 12 Waben und weisen 4 – 6 Waben Brut auf. Sie werden für die Frühtracht nicht rechtzeitig honigraumreif und hinken den o.g. Völkern ständig hinterher. Entweder wurden sie zu schwach eingewintert oder hatten im vorigen Spätherbst noch ein Milbenproblem. Der Honigertrag ist gering, der Aufwand, sie so zu „päppeln“, damit man etwas Honig erhält, ist sehr hoch! Was damit tun? Sofern sie eine von zwei Zargen nicht belagern, kann man den unbesetzten einen Raum entfernen, bevorzugt den unteren, ältesten. Möglicherweise macht es auch noch Sinn, zwei ähnlich schwache miteinander zu vereinigen und zwar durch einfaches Übereinandersetzen. Aber auch das ergibt letztlich nur gerade so eben ein knapp mittelstarkes Volk. Ich empfehle, diesen Völkern einfach nur Raum zu geben und sie bis Mitte Mai auf zwei Räumen sich entwickeln zu lassen. Das geht ohne weiteres Zutun; Schwarmgefahr besteht jedenfalls nicht. Bis dahin haben sie dann doch so in etwa die Volkstärke, wie die Völker Kategorie 4, acht Wochen davor (s.o.). Mitte Mai sind es dann jene Völker, die man dann auf einmal oder in zwei Etappen (mit 3 bis 4 Wochen Abstand) zu 5 bis 7 Ablegern komplett aufteilt. Letztlich bringen diese Völker dann sogar einen höheren „Ertrag“, in Form von Jungvölkern, als die Honigertragsvölker. Letztere kann man dann, ohne zwingend schröpfen zu müssen (Ablegerbildung > Bestandsverjüngung!) und ohne Leistungseinbuße führen.

Eines muss man jedoch beachten: Die Königinnen dürfen nicht aus diesem Genpool, sondern sollten unbedingt von den besten und vitalsten Völkern stammen, sonst hat man langfristig immer schlechtere Völker!

„Kümmerlinge“ (Kategorie 1) belagern zur Frühjahrskontrolle nur 3 – 4 Waben und haben lediglich 2 bis 3 Brutwaben oder weniger. Diese Völkchen sind kritisch zu sichten, meist haben sie einen „Knacks“ und sind oft gesundheitlich angeschlagen. Sofern man eindeutige Krankheitsanzeichen erkennt, sind diese Völkchen auf jeden Fall abzutöten und keinesfalls darf man Waben oder Bienen in andere Völker bringen. Nur wenn diese Völkchen eindeutig gesund sind, der Grund der Volksschwäche sicher erklärbar ist und das Problem früh (Anfang März) erkannt wird, macht es eventuell Sinn, ein solches Völkchen für etwa 3 Wochen einem Volk der Kategorie 4 über Absperrgitter aufzusetzen. Effekt: Die Bienen des starken Volkes helfen der Königin des Schwächlings ein größeres Brutnest anzulegen. Wenn man dann das Volk nach o.g. Zeit auf dem Platz stehen lässt und stattdessen das starke Volk auf einen andern Platz des Standes verstellt, bekommt das ehemals schwächliche Volk zusätzlich die Flugbienen des Starken und entwickelt sich wenigstens zu einem mittelstarken Volk, sofern die Königin vital und jung ist. („Aumeier-LiebigMethode“).

Weiterer Nebeneffekt: Das „überstarke“ Volk wird früh und deutlich geschröpft, wird auch eher zum mittelstarken Volk „degradieren“. So hat man mit diesem keine Schwarmprobleme mehr (Demarée-Methode). Vorausgesetzt, es sind keine Krankheitsanzeichen vorhanden, ist es allerdings deutlich weniger aufwändig und vom Ergebnis her sicherer, die Brutwaben auf die mittelstarken Völker zu verteilen und die Bienen dem Nachbarvolk zulaufen zu lassen.

Weitere Informationen finden Sie in der Schulungsmappe „Grundwissen für Imker“ 03-03-01 „Wenn am Bienenstand das Leben erwacht!“ und 03-03- 02 „Bevor das Volk aus allen Nähten platzt“

Kontakt zum Autor: Bruno.Binder-Koellhofer@rpf.bwl.de